In memoriam Madame Mim::
Die "andere Welt"  Teil III

Ein RubrikBetreuer quasi der ersten Stunde, Werner, der sich drei Jahre lang um die Polaritäten gekümmert hat, hat uns wieder einmal einen seiner Artikel fürs WurzelWerk gespendet. Diesmal beschäftigt er sich mit der anderen Welt ...

Nun komme ich endlich zu dem, was ich eigentlich mit diesem Aufsatz sagen will

Das, was meine Seele mit diesen beschriebenen Erlebnissen erfasst, das ist nicht die intellektuelle Welt. Es ist nicht die nur materielle Welt, sondern sie ist eine „andere Welt“. Diese „andere Welt“ ist jedoch nicht getrennt von der materiellen Welt. Sie ist nur anders, beide gehören jedoch zusammen. Wir haben nur verlernt, sie beide zu erfassen, sie beide zu erleben, zu erkennen. Statt dessen sehen und erleben wir nur isoliert die materielle Welt. Unsere Sehnsucht nach der „anderen Welt“ jedoch hat uns ein Glaubenskonstrukt erschaffen lassen, das wir den Himmel nennen. Auch die Römer haben ihre religiöse Welt, nämlich das Pantheon, ihre Götter erschaffen. Und später dann haben wir unseren Gott erschaffen. Leider können wir weder den von uns erschaffenen Himmel und auch den Gott (oder früher die Götter) nicht erleben, denn wir haben ihn nur künstlich mit unserem Intellekt, mit unserem Verstand erschaffen.


Nun ein andere Beispiel von der „anderen Welt“

Gehen Sie mal in einen dichten und großen Wald. Am besten in einen sehr urwüchsigen, ja in einen Urwald. Sie sind weit weg von jeder Zivilisation, weit weg von intellektuellem Denken, weit weg von allen möglichen Ablenkung unserer modernen Zivilisation. Wenn Sie sich nun unter einen der riesigen Bäume setzen, die Augen schließen und nur noch den Tönen des Waldes lauschen: Sind Sie dann nicht weit weg von der künstlich, von der von Menschen geschaffenen Welt? Tauchen Sie in einer solchen Umgebung nicht ein in eine Welt, die ganz anders ist? In der es andere Werte, andere Erlebnisse, andere Gefühle gibt? In der Sie nicht mehr nur noch nach ihrem Intellekt urteilen und nicht nur danach Ihre Empfindungen und Gedanken ausrichten, sondern wo sie alles einfach laufen lassen können, sich hingeben können in Dinge und Gefühle, die Ihnen sonst fremd sind? – Sind Sie dann nicht in einer „anderen Welt“?

Oder gehen Sie in eine Höhle. Nicht dort, wo man Eintritt bezahlen muss und ständig Menschen ein und aus gehen, sondern in eine kleine Höhle, die sie vielleicht im Wald irgendwo als kleine Felsspalte entdeckt haben, die sich dann aber, nachdem Sie hineingeklettert sind oder sich durch das enge Loch hindurchgezwängt haben, als geräumige Höhle zeigt. Auch hier, in einem unwirklichen und düsteren Licht sind Sie in einer „anderen Welt“. Was Sie dort empfinden und erfahren können, das ist anders als alles, was Sie sonst in unserer hektischen und künstlichen Welt erfahren und erleben werden. Können Sie sich vorstellen, dass Sie dort im Urwald oder in einer solchen Höhle tatsächlich in einer anderen Dimension des Seins sind oder diesem anderen Sein nahe sind? So wie ich dieser anderen Dimension nahe bin, wenn ich meine Melodien spiele. Melodien, die mich hinwegtragen, die mich aber gleichzeitig auch ganz in mein Innerstes, ganz in meine Gefühlswelt eindringen lassen. Oder, vielleicht etwas anders ausgedrückt: Die meine Gefühlswert auch an die Oberfläche bringen können, sie mir bewusst machen, was ich neben meinen Gedanken und gedanklichen Empfindungen sonst noch bin. Denn Gedanken und gedankliche Empfindungen sind nicht alles, was ich bin. Selbstverständlich bin ich mein Intellekt. Wäre es nicht so, dann könnte ich weder schreiben noch lesen und diese Zeilen hier gar nicht aufschreiben und somit auf intellektuellem Weg an andere Menschen weiter geben. Ich – und nicht nur ich, sondern alle Menschen – sind Beides: Intellekt und innere Empfindungen. Oder anders gesagt: Materie und Spirit. Auch das ist die Polarität, ist Yin und Yang.

Nun haben die Kelten versteckte Grotten oder auch Höhlen oder sonstige besonderen Plätze in der Natur, wie z.B. auch die Gipfel von Bergen, als Orte für ihre Rituale benutzt. All das sind Orte, wo man der „anderen Welt“ nahe sein kann. Oder sie betrachteten Eingänge zu versteckten Höhlen als den Zugang zur „Anderswelt“. Kein Wunder nun, dass sie in der Höhle diese „andere Welt“ tatsächlich erlebten. Sie und ich, wir können das auch. Die Römer allerdings – und später auch die christlichen Mönche glaubten, dass die Kelten wirklich ein Loch in einem Felsen im materiellen Sinne als den Zugang zur „Anderswelt“ betrachteten. Dass die Kelten den Zugang auf spirituelle Weise meinten, das würden die Mönchen wegen ihrer ganz anderen religiösen Sichtweise sicher nicht verstanden haben.

Wenn wir heutigen Menschen nun mit unseren christlichen Vorstellungen von einer „Anderswelt“ hören, dann meinen wir sicherlich etwas ganz anderes als das, was die Kelten darunter verstanden haben. Nämlich das, was dem Himmel der Christen entspricht. War jedoch das, was unsere Vorfahren darunter verstanden, nicht viel eher etwas, das ich hier mit diesem kleinen Aufsatz aussagen wollte? Eine Welt, die nicht „wo anders“ ist, also an einem anderen Ort, sondern die in uns ist, oder auch eine andere Gefühlswelt oder ein anderer Seinsstatus ist. Nämlich eine andere Welt, die wir nicht mit dem Verstand erfassen und erfahren können, sondern mit etwas, was eigentlich unbeschreiblich ist. Denn Worte, die man verwenden würde, kommen aus unserem Intellekt. Die „andere Welt“ jedoch, die hat mit dem Intellekt nichts zu tun. Deshalb können wir sie auch intellektuell nicht erfassen. Um das alles trotzdem zu erfassen, müssen wir uns wohl in einen anderen ZUSTAND begeben. Dieser Zustand ist dann schon die „andere Welt“. Ein stiller und abgelegener Platz in der Natur wird uns sicher helfen, in diesen Zustand zu kommen. Aber nur dann, wenn wir gleichzeitig bereit sind, unseren Verstand, mit seinem ständigen Bemühen, sachliche Erklärungen zu finden und alles in Worte zu fassen, mal für einige Zeit ein wenig auf die Seite zu schieben. Mir ist dies zum Beispiel dadurch gelungen, dass ich die Noten der Tonleiter auf die Seite schob und nur das Instrument tönen ließ. Denn das Suchen nach den „richtigen Tönen“, nämlich den von irgend jemand komponierten und somit vorgegebenen Tönen hat mich früher davon abgehalten, meine eigene Art des Spielens zu entdecken. Sicher gibt es noch weitere Möglichkeiten, um die „andere Welt“ zu erleben. Die Liebe kann auch so eine Möglichkeit sein, wenn man sie richtig versteht und nicht nur die sexuelle Lust damit meint. Ich will jedoch gar nicht einschränken und keineswegs nur bestimmte Dinge als die Möglichkeit zum Verstehen und Erfahren der „anderen Welt“ nennen. Jeder Mensch wird wohl andere Möglichkeiten dazu haben oder entdecken. Auch das Lauschen einer ergreifenden Musik kann solche Erlebnisse bringen. Es ist also nicht so, dass nur meine Töne, die ich aus mir heraus kommen lasse, dies alles bewirken kann. Es ist für mich so, muss jedoch nicht für alle so sein. Ich will damit nur zum Ausdruck bringen, dass auch eine Musik, die ein begnadeter Komponist aufgeschrieben hat, deshalb nicht nur intellektuell ist, sondern auch Dinge in uns bewegen kann, die uns die „andere Welt“ erleben lassen. Sicherlich hat auch der begnadete Komponist diese Melodien nicht intellektuell erdacht, sondern sie sind ihm zugefallen. Jede Art von Musik wird jedoch sicher nicht ein Verstehen der Anderswelt ermöglichen. Wenn sie nur erdacht ist, also nur aus dem Intellekt zusammengebastelt ist, dann wahrscheinlich nicht. Was jedoch aus der Seele kommt, das wird auch wieder bei anderen Menschen, die fähig sind, mit ihrer Seele zu verstehen und zu erleben, als ein Erlebnis der „anderen Welt“ und somit mit ihrer Seele empfangen werden. Geschichten können es auch sein, wenn sie aus der Seele kommen. Ich werde demnächst ein Buch veröffentlichen, das diese Titel hat und es sind tatsächlich Geschichten, die aus meiner Seele gekommen sind.


Sicher gibt es noch vieles Andere auch, das aus unserer Seele kommen kann oder das wir mit unserer Seele
aufnehmen können

Das Erkennen der „anderen Welt“ haben heute die meisten Menschen verloren. Oder sie haben den Zugang zu dieser Welt nicht gefunden. Vielleicht haben sie auch nie danach gesucht. Finden wird man jedoch meisten nur dann, wenn man sucht. Und suchen kann man nur, wenn man weiß, was es zu finden gäbe, wenn man nur suchen würde. Ja, das ist alles sehr schwierig geworden. Und leider führt uns das heutige moderne Leben immer weiter weg von dem Wissen oder gar dem Verstehen oder zumindest einem Erahnen, dass es eine „andere Welt“ gibt. Diese hat jedoch nichts mit einem Himmel und auch nichts mit dem ewigen Leben eines Menschen zu tun, sondern sie ist einfach da. Überall! Ganz besonders in uns selbst!


Werner


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