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Eines der wohl umstrittensten Rituale des südlichen Afrikas sind die rituellen Schlachtungen, wenn zum Beispiel eine Sangoma initiiert wird. Dabei kann vorerst ein Huhn, danach eine Ziege und als heiligste Schlachtung eine Kuh ihr Leben schenken. Ich möchte mich nicht weiter darüber äußern, welche abscheulichen Geschichten und Fantasien mir von weißer Seite über dieses Ritual bereits zugetragen wurden.
Tatsache ist, dass im südlichen Afrika die Viehzucht das Überleben ganzer Völker sichert. Die oftmals sehr kargen Böden lassen wenig Spielraum für den Ackerbau. Da 97% der Bevölkerung Südafrikas im Rahmen der Apartheid (bis 1994!) auf 7% des Landes zurückgedrängt waren, lebt der Großteil der Schwarzafrikaner immer noch auf engstem Raum. Die ökonomischen Tatsachen haben seither wenig daran verändert.
Die Townships, wie zum Beispiel Soweto sind Zeugen dieser jüngsten Geschichte

In allerkleinsten Innenhöfen findet man/frau zumindest Hühner. Das heißt, Fleisch und Pap (ein Maismehlbrei) sind das Hauptnahrungsmittel der SchwarzafrikanerInnen. Alles von einem Tier wird verwertet. Fleisch und Innereien werden verspeist. Die Hühnerfüße werden gegrillt. Aus den Knochen werden Suppen gekocht. Was überbleibt wird zu Schmuckstücken verarbeitet. Felle werden zu Trommelhäuten, Kleidungsstücken und Ritualgegenständen …
Sangomas verpflichten sich in dem Schlachtungsritual ihre persönlichen Anliegen hinter die Anliegen des Kollektivs zu stellen. Auf dem Land wird nach wie vor jenes Tier zur Schlachtung gebracht, das nicht über die Trockenperiode gebracht werden könnte.
Sangomas setzen ein Zeichen, dass sie für andere da sein werden. In diesem Sinne wird ein Tier der Gemeinschaft geopfert. Das heißt ein/e Sangoma gibt ein Tier aus ihrem/seinem persönlichen Herdenbestand oder bezahlt das Tier. Oftmals muss er/sie viele Monate oder gar Jahre dafür sparen. Wird das Tier verspeist, darf die/der Sangoma davon nicht essen. Alle Menschen aus dem Umfeld werden zu diesem Essen geladen. Sie opfert und verteilt an andere. Man/frau kann auch sagen: „Er/Sie füttert die anderen!“
Bei meinem persönlichen Schlachtungsritual musste ich die Ziege aussuchen und bis knapp vor ihrem Tod liebevoll betreuen. Der Sangoma, der die Schlachtung vornahm, war mit dem Tier sosehr verbunden, dass sich dieses ohne „Mucks“ vor seine Füße legte. Alles ging sehr schnell. Ich fragte mich damals ernsthaft, wie ich den Menschen dort unsere Massentierhaltung und vor allem, unsere Form der Schlachtungen erklären könnte, ohne beschämt zu sein.
Traditionelle
afrikanische HeilerInnen wissen, dass heil werden gleichbedeutend
ist mit ganz werden, in die Einheit zurückkehren und Eins werden mit der gesamten Schöpfung. Sie achten Tiere und Pflanzen als Brüder
und Schwestern und sehen die Erde als Mutter allen Lebens.
Das Wort Sangoma beinhaltet den Wortstamm „San“
... welcher auf das Volk der San hinweist, welches ursprünglich als Buschmen bezeichnet wurde.
Diese lebten über 12000 Jahre in einer Symbiose mit der Tierwelt der Kalahari. Die meisten von ihnen können nach wie vor mehr als 500 Tierarten auf Grund der Fährte unterscheiden. Sie lesen aus den Spuren auch das Alter und den Gesundheitszustand des Tieres. Da sie immer das schwächste oder kranke Tier einer Herde erlegten, halfen sie mit, den Tierbestand kontinuierlich wachsen und gesund gedeihen zu lassen. Zwei Drittel der Nahrung wurden durch das Sammeln von annähernd 600 Pflanzenarten, deren Wurzeln zum Teil aus dem harten Boden gegraben wurden, abgedeckt. Die stets von Generation zu Generation weitergereichten Weisheiten ermöglichten dem Volk ein Überleben in der unwirtlichen Wildnis. Westliche Wissenschaftler überraschten die Welt in den 60er Jahren mit Berichten über das erstaunliche Sozialgefüge der einzelnen Stämme: Keine Anführer. Frauen und Männer waren gleichberechtigt. Wer heute noch ein „ klassisches Sanleben“ führt, tut dies außerhalb der Legalität.
Viele Menschen aus dem südlichen Afrika vermuten, dass die Vertreibung der San aus ihrem natürlichen Lebensraum im Zusammenhang steht, mit der Annahme dass unter dem Sand der Kalahari Bodenschätze schlummern. Seit dem Verschwinden der San aus der Kalahari ist der Wildtierbestand vermehrt aus dem Gleichgewicht geraten. Erkrankungen unter den Tieren nehmen zu.
San erlernen sehr früh in Trance zu gelangen und in Verbindung zu treten mit den Ahnen und Geistern. Tanz und Trommeln und Gesang rufen das sogenannte „Num“ in ihre Körper. Nur die Heiler unter den San verstehen es, über dieses Num den eigenen Körper zu erhitzen und so das „Kia“ zu erlangen. Das Kia ist der höchste Trancezustand, welchen wiederum nur die sehr erfahrenen Heiler unter den San „unter Kontrolle“ bringen. Diese Kontrolle wiederum ermöglicht einem Heiler/einer Heilerin über die Hände Krankheiten aus den Körpern anderer zu ziehen. Krankheiten spirituellen, sozialen und körperlichen Ursprungs.
Findet in einem Stamm der San keine Heilung in Ekstase mehr statt, stirbt der Stamm nach eigenem Glauben.
Diesem Zusammenhang zufolge tragen die Sangomas ihren Namen zu Recht. Afrikanische HeilerInnen erkennen unter anderem einander daran, dass sie die Verteilung des Num (der Heilenergie) und/oder eine der afrikanischen Ursprachen durch ihren Körper fließen lassen können.
Die San haben heute leider sowohl unter der weißen als unter
der schwarzen Bevölkerung Probleme. Sie sind eine „etwas
lästige“ Minderheit, die sich ob des Nomadentums nirgends
einordnen lässt.
Dennoch wissen die meisten SchwarzafrikanerInnen, dass die San
die Ureinwohner des südlichen Afrikas sind. Alles Leben begann
in der Kalahari und in den Wäldern Ugandas. In diesem Sinne
haben die HeilerInnen schwarzafrikanischer Stämme des südlichen
Afrikas tiefe Erfurcht vor dem alten Wissen der San. Wenn
dieses Wissen verloren geht, geht ein wahrlich alter Seelenanteil
der Menschheit unwiederbringlich verloren.
Sangomas sind meist bereit zur Zusammenarbeit mit der modernen
Medizin.
Ich habe mehrfach erlebt, wie KlientInnenen von den Sangomas in
die Spitäler geschickt wurden zu verschiedensten Untersuchungen
und Therapien oder zum HIV Test.
Allerdings ist oftmals der Transport zu solchen Einrichtungen für
die Ärmsten
nicht leistbar. Sangomas helfen vor Ort. Sie sind in den
entlegensten Orten ebenfalls zu finden, wie in den Armenvierteln
der Townships.
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