In memoriam Madame Mim::
Neue Sklaverei - Zwangsprostitution und Menschenhandel   Teil III

Wieder einmal freuen wir uns euch eine Artikelspende aus dem universitären Bereich vorstellen zu dürfen. Ein Thema, das zwar auf den ersten Blick nach "Geschichte" klingt, tatsächlich aber leider mehr als aktuell ist und obwohl nicht explizit ein "heidnisches Problem" doch aufrütteln sollte ...

Sexuelle Versklavung / Menschenhandel 1

Die Geschichte der sexuellen Versklavung ist so alt wie die Geschichte der Sklaverei an sich. Die kommerzielle Ausbeutung sowohl männlicher als auch weiblicher Personen zu sexuellen Zwecken war nur ein Teil der erzwungenen Leistungen. Jeder Sklave und jede Sklavin konnte von ihrem Besitzer sexuell missbraucht oder dazu an Dritte weitergegeben werden. Der sexuelle Verkehr mit Sklaven war nicht nur anerkannt, sondern wurde sogar in der Literatur beschrieben/empfohlen und war in keiner Weise als schändlich zu betrachten. Die Prostitution im Rahmen des Okkultismus/Religion äußert sich in Form der Tempelprostitution/ dem Ritualsklaventum. Überall auf der Welt und in vielen Religionen findet sich dieses Muster wieder. Auch in der heutigen Zeit spielen sich einige Fälle von Zwangsprostitution unter religiösem (pseudoreligiösen/okkulten) Deckmantel ab.

„Auch mit Religion kann Sklaverei in Zusammenhang stehen, wie bei den indischen Devadasi-Frauen […] oder jenen Kindern, die in Ghana als Ritualsklaven dienen. […] In Ghana, Togo, Benin und Südwestnigeria werden mehrere tausend Mädchen und junge Frauen von ihren Familien den dortigen Fetischpriestern übergeben. Gemäß diesem für das Empfinden eines Abendländers äußerst absonderlichen Brauch werden die Mädchen versklavt, um für von Angehörigen begangene Sünden, oft Vergewaltigung, zu büßen. [….] Man braucht sich nur den Fall einer Devadasi anzusehen, einer jungen Frau, die man mit einem Gott verheiratet, was durchaus nicht so erfreulich ist, wie es sich anhört. Arme Familien, die lokale Gottheiten besänftigen und sich eine glückliche Zukunft sichern wollen, opfern eine Tochter, indem sie sie mit einer solchen Gottheit verheirateten.
Ist das Mädchen erst einmal verheiratet, wird es zur Heiligen erklärt, muß in den Tempel ziehen und sich um ihn kümmern. Andere Arbeiten darf sie nicht verrichten; sie darf das Dorf nicht verlassen, sich nicht scheiden lassen und einen anderen heiraten und steht unter der Aufsicht der Männer, die den Tempel verwalten. Seit Jahrhunderten zwingen diese die jungen Frauen zur Prostitution; auf diese Weise wird der Tempel zugleich zum Bordell. Alle weiblichen Kinder der Heiligen werden ebenfalls als Devadasi aufgezogen; die Frauen bringen ihr ganzes Leben als versklavte Prostituierte zu, während die Männer, die den Tempel unterhalten, die Profite einstecken.“
2

In den letzten Jahrzehnten ist ein hochlukrativer Markt für sexuelle Dienstleistungen entstanden. Die Verbrecher kennen den Wert der Ware Mensch, während eine Ladung Waffen oder Drogen nur einmal verkauft werden kann, lassen sich aus der Vermietung erniedrigter Mädchen und Kinder immer neue Profite ziehen. Diese zur Prostitution gezwungenen Menschen können Hunderte, ja Tausende Male zu sexuellen Handlungen gezwungen und dann zum herabgesetzten Preis in ein weniger profitables Marktsegment weiterverkauft werden.

“The trafficking of women for sexual exploitation is an international, organized, criminal phenomenon that has grave consequences for the safety, welfare and human rights of its victims. [...] Countries are affected in various ways. Some see their young women being lured to leave their home country and ending up in the sex industry abroad. Other countries act mainly as transit countries, while several others receive foreign women who become victims of sexual exploitation.” 3


Konklusion

Auf der einen Seite wird sich der momentane Stand der Dinge nicht verändern, wenn sich nicht auch das Verhalten der Konsumenten ändert. Der Konsument bestimmt bis zu einem gewissen Teil den Markt/das Verhalten der „Anbieter“ mit. Es wäre enorm wichtig, mehr Aufklärungsarbeit auf den Sektoren der potentiellen Opfer und der Konsumenten (den zwei Endgliedern der Kette) zu leisten. Auf der anderen Seite sind nicht nur die Konsumenten zur Verantwortung zu ziehen. Man bedenke, dass die Produkte welche SklaveInnen erzeugen, billger produziert werden und somit auch billiger in den Verkauf gelangen - viele Menschen sind generell/ in den heutigen (inflationösen) Zeiten darauf angewiesen, finanziell Haus zu halten. Wer kann z.B. einer alleinerziehenden Mutter einen Vorwurf machen, wenn sie Produkte kauft; welche billiger und für sie somit ökonomischer sind, aber von Sklaven produziert wurden. Zusätzlich mangelt es in vielen Ecken dieser Erde auch an der psychologischen Nachbetreuung der Opfer. Nicht nur finanzielle, auch materielle, psychische Unterstützung ist gefragt. Die gesetzliche/strafrechliche Verfolgung von Schlepperbanden und anderen „Tätern“ sollte international mehr vorangetrieben werden. Wenn ein Thema in den Mittelpunkt des „Gesellschaftsbewusstseins“ rückt, wird es schneller “begreifbar“. Dies könnte für folgende Generationen auf dieser Erde eine positve Bewusstseinsveränderung bewirken und gegebene/s Einstellungen/Verhalten ändern.


Schlusswort/Eigene Gedanken

Sklaverei zeigt für mich eine der abscheulichsten/widerwärtigsten Eigenarten der Spezies Mensch auf: absolute Unbarmherzigkeit. Der moderne Mensch, welcher sich selbst gern als „Krönung der Schöpfung“ bezeichnet, verhält sich seiner Welt und seinen Mitmenschen gegenüber unempathisch, berechnend - brutal und kaltblütig. Er geifert dem Mammon nach und sieht nicht was er verbricht. Abschließen möchte ich mit einen Zitat aus Erich Fromms Werk „Die Kunst des Liebens“.

„Was kommt dabei heraus? Der moderne Mensch ist sich selbst, seinen Mitmenschen und der Natur entfremdet.[...] Des Menschen Glück besteht heute darin, “seinen Spaß zu haben“. Und man hat seinen Spaß, wenn man sich Gebrauchsgüter, Bilder, Essen, Trinken, Zigaretten, Menschen, Zeitschriften, Bücher und Filme “einverleibt“, indem man alles konsumiert, alles verschlingt.[...] Unser Charakter ist darauf eingestellt, zu tauschen und Dinge in Empfang zu nehmen, zu handeln und zu konsumieren. [...] Alles und jedes – geistige wie materielle Dinge – werden zu Objekten des Tausches und des Konsums.“ 4


Fußnoten:
1 vgl. Pino Arlacchi: Ware Mensch, Der Skandal des modernen Sklavenhandels, deutsche Ausgabe, Piper Verlag GmbH, München 2000, S. 83; Original:“Schiavi. Il nuovo traffico di esseri umani“, RCS libri S.p.A, Mailand 1999
2 vgl. Kevin Bales Die neue Sklaverei, deutsche Ausgabe, München 2001, S 265, 266 flgd.; Original: “Disposable People: New Slavery in the Global Economy”, University of California Press, 1999
3
Interpol – Homepage am 5. November 2008, 20:25
4 Siehe Erich Fromm: „Die Kunst des Liebens“, deutsche Übersetzung von Liselotte und Ernst Mickel; Zürich: Manesse Verlag, 2000,S116/ 117/118 flgd.; Original: „The Art of Loving“ Harper & Brothers, New York, 1956


Masco


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