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Wobei nach dieser Feststellung sofort eine neue Frage auftaucht: Ist es nun lediglich der Glaube an Gott, oder ist es Gott, der geholfen hat und unser Glaube ist nur eine Art von Hilfsmittel? Würden wir nicht an Gott glauben, dann wäre doch offensichtlich die Hilfe von Gott auch nicht gegeben. Also ist es beides: Der Glaube an Gott als Voraussetzung - und dann hilft Gott.
Soweit, so gut, könnte man sagen
Wenn wir uns jedoch die Mühe machen und ein wenig weiter denken und diese Dinge hinterfragen, dann tauchen neue Gedanken auf und neue Fragen. Man wird der Frage kaum entgehen können, welcher Gott nun geholfen hat. Der, an den man glaubt? Dann hätten die gläubigen Christen also den „richtigen“ Gott, denn er hilft, wenn man ihn anruft und bittet. Und noch wichtiger: Wenn man an ihn glaubt, dann hilft er. Diese Antwort muss unbefriedigend für all diese Menschen sein, die an keinen oder an andere Götter glauben. Und unweigerlich wird verglichen werden, welcher Gott oder welche Götter nun die „richtigen“ sind. Ist alles am Ende nur Einbildung und ist es somit doch nur der Glaube, der hilft, egal an wen man glaubt?
Wenn man sich somit mit der Beantwortung über die Kraft des Glaubens immer noch nicht zufrieden gibt und wenn man weiterhin sieht, dass aus der Annahme, der jeweilige Gott oder die jeweiligen Götter, an die man glaubt, hätten geholfen – und wenn man insbesondere sieht, dass in dieser Verschiedenheit der Religionen und in der Vielfalt der Götter, die wir uns erschaffen haben, ein unendlicher Zündstoff für Kriege und Streit und Kampf enthalten ist, dann muss man wohl weiter bohren, um die Wahrheit zu erfahren. Hilfreich wird es sein, viele Religionen zu untersuchen und danach Ausschau zu halten, in welcher Weise Anrufungen und Bitten gemacht werden und ob sie und wie sie tatsächlich helfen. Man wird in anderen Religionen und überall auf der Welt ähnliche Verhaltensweisen finden. Da werden – für die Christen sicher ein erstaunliches Phänomen – andere Götter angerufen und auch diese helfen offensichtlich. Da gibt es Allah, den man um Hilfe bittet. Da werden buddhistische Gebete gemurmelt oder man betrachtet Mantras, meditiert oder chantet. Da wird eine Hindugottheit um Hilfe gebeten, der mächtige Feuergott Garuda beispielsweise. Die Chinesen wenden sich an Chi, die Lebenskraft. Die Schamanen vom Amazonas oder die Indianer in Nordamerika rufen die Geister. Die Wiccaanhäger rufen die Götter an. Die Römer opferten der Venus und Jupiter und den vielen Göttern in ihrem Pantheon. Die Liste ist endlos. Es gibt so viele Anrufungen und Bitten an göttliche Kräfte, wie es Religionen gibt. Vielelicht sogar, so viele Menschen es gibt. Denn Jeder hat wohl irgendwie seine/ihre eigene Art, diese Dinge zu handhaben.
Jemand, der überhaupt nicht an etwas glaubt, der könnte nun die Meinung vertreten, dass alles nur Scharlatanerie sei und mögliche Besserungen bei Krankheiten oder der Verhütung von Unheil ohnehin eingetreten wären.
Nun gut, solche Dinge sind sehr schlecht zu beweisen. Jedoch zeigen die vielen Fälle, bei denen Anrufungen oder eine intensive Beschäftigung und Hinwendung tatsächlich etwas bewirken, dass nicht alles auf Zufall oder gar auf Einbildung beruht. Zu viele Menschen erleben es immer wieder, dass eine intensive Beschäftigung mit einem Problem oft erstaunliche Ergebnisse bringt. Dabei meine ich nun nicht, dass man durch Arbeit oder ein tätliches Eingreifen hilft (das selbstverständlich kann auch viel bewirken!), sondern eine rein „geistige“ Hinwendung, eine intensive gedankliche oder auch intuitive und sogar „nicht-gedankliche“ Hinwendung wird Hilfe bringen. Akzeptieren wir somit, dass solche Dinge wirken!
Aber was ist es nun, das diese Wirkung hervorbringt? Sind es Götter? Sind es übersinnliche Kräfte?
Nachdem wir sehen können, dass es vollkommen gleichgültig ist, welchen Gott oder welche Gottheiten man bittet, kann die Hilfe offensichtlich nicht von so einem Gott oder solchen Göttern kommen, die wir uns in unserer Fantasie erschaffen die wir benannt und ihnen bestimmte Eigenschaften gegeben haben. Somit ist es wirklich vollkommen gleichgültig, wen wir anrufen. Deshalb hat jede Religion ihre Berechtigung und keine ist einer anderen überlegen. Religionen sind persönlich Ansichten oder Meinungen oder auch anerzogen. Kaum eine Konditionierung ist so stark wie eine religiöse.
Nun komme ich jedoch auf einen weiteren Punkt zu sprechen: Selbst wenn wir keine Gottheit, keine Geister, keine übernatürlichen Wesenheiten anrufen oder um Hilfe bitten und uns „nur“ intensiv dem Problem widmen, dann sind ebenfalls deutlich erkennbare Hilfen und Problemlösungen zu erwarten. Dieses „intensive Hinwenden“ kann in vielerlei Weise erfolgen. Es kann gesungen oder gesummt werden, es können Gespräche sein mit Freunden oder dem Partner/der Partnerin, es kann schon die reine Anwesenheit mit Konzentration auf das Problem sein und vielerlei mehr. Wenn ein einzelner Mensch diese Dinge tut, sind sie weniger hilfreich als wenn es mehr Menschen gemeinsam tun. In der Gemeinsamkeit der Bemühungen liegt eine große Kraft. Nichts anderes tun auch die Schamanen, wenn sie im Kreis der versammelten (und auf das Problem konzentrierten) Familien- oder Stammesmitglieder ihre Beschwörungen machen. Oder wenn die Familie am Krankenbett versammelt ist und alle beten. Es ist nicht das Gebet selbst, das Hilfe bringt, sondern die Tatsache, dass man geistige Kräfte zusammen und GEBÜNDELT auf ein bestimmtes Problem lenkt.
Ende Teil I
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