„Ein Held erscheint mit der
Situation, ein Krieger ist bereits dort.“
Krieger und Frieden - lässt sich das vereinbaren? Die Betrachtung
einer Tradition, die vor etwa 4300 Jahren ihren Anfang nahm und
die es geschafft hat, durch Anpassung immer noch zu existieren.
Eine Tradition deren Prinzipien dort zu finden sind, wo man
sie nicht erwartet... im Leben selbst.
Bezeichnungen und Kalligraphie
Ninja – (Jemand im Geheimen) oder Shinobi ist die Bezeichnung
für einen Söldner im vorindustriellen Japan, der als
Kundschafter, Spion, Saboteur oder Meuchelmörder eingesetzt
wurde. Er ist neben dem Samurai eine der gefürchtetsten und
gleichzeitig am meisten bewunderten Gestalten des alten Japan,
wobei zwischen der tatsächlichen Historie und der späteren
Umdeutung und Begriffsverzerrung unterschieden werden muss.
Verlässliche historische Quellen über Ninja gibt es
kaum. Es existieren aber unterschiedliche, ab dem 17. Jahrhundert
entstandene geheime Lehrtexte für Ninja, von denen die drei
bekanntesten das Bansenshukai, das Shoninki und das Ninhiden sind.
Daneben sind jedoch auch schriftliche und mündliche Überlieferungen
vorhanden, welche der Öffentlichkeit in deren Ursprungsform
allerdings kaum zugänglich sind. Hiezu zählen die
Amatsu Tatara Hibumi no Ikkan Schriftrollen.
In den meisten seriösen Werken zur japanischen Geschichte
werden Ninja jedoch ausgeklammert – im Gegensatz zu den Samurai,
deren historische Bedeutung unumstritten ist und zu denen es dutzende
exzellente Forschungsarbeiten gibt. Doch alleine die Übersetzung,
Jemand im Geheimen, sollte zum Nachdenken anregen, warum
so wenig über
die Ninja bekannt ist. Es lohnt sich tiefer in die Übersetzung japanischer
Kalligraphien einzutauchen, um ein anderes Bild zu erhalten.
Das Kanji Nin bedeutet in den meisten Übersetzungen, ausharren,
erdulden, verbergen, usw…, betrachtet man es jedoch genauer,
so wird man folgendes feststellen. Den oberen Teil des Kanji bildet
das Zeichen für Schwert, während der untere Teil das
Zeichen für Herz darstellt. Nimmt man nun die japanische Sprache,
mit all Ihren Zweideutigkeiten als Grundlage, so lässt sich
folgendes festhalten:
„Selbst wenn Jemand ein Schwert über mein Herz hält, werde ich
immer weiter machen.“
Oder „Wohin ich auch gehe, immer wird ein Schwert schützend über mein Herz
gehalten.“
Ninpo – Nin, wie oben erklärt. Po ist eine andere Schreibweise
für Weg, japanisch auch Do.
Um den Hintergrund der Philosophie auch nur annähernd zu
verstehen, ist die Erklärung zweier weiterer Schriftzeichen
wesentlich.
Budo und Bujin
Budo – (Kriegskunstweg, Weg des Kriegers) ist der Überbegriff
für alle japanischen Kampfkünste, die, im Gegensatz zu
den reinen Bujutsu (Kriegskünsten), neben der Kampftechnik
noch eine inner Lehre oder Philosophie beinhalten. So viel zur „normalen“ Übersetzung.
Bujin – (göttlicher Krieger) jemand der den Weg
des Budo wahrlich gemeistert hat und den Weg vor uns gegangen ist.
Nach dem Kuden (mündliche Überlieferung) stellt
es sich jedoch auch wie folgt dar:
|
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Bu - in alten Zeiten wurde der
rechte Teil des Zeichens zweimal so wie der senkrechte und
horizontale
Strich geschrieben. Dies bedeutete zwei Hellebarden. Davon übrig
sind die zwei kurzen Linien oben. Der linke Teil des Zeichens
bedeutet Stopp. Bu bedeutet also soviel wie Stopp von zwei
Hellebarden. |
Budo – Der Weg den Kampf von zwei
Kriegern zu stoppen.
Jin oder auch Shin oder Kami -
Mensch, Herz, „Gott“. Genau bedeutet Kami jedoch auch jemanden,
der den Weg vor uns gegangen ist.
Kami setzt sich zusammen aus Ka– Feuer
und Mi – Wasser
(andere Schreibweise als Sui).
Nach einer anderen Kuden Überlieferung bedeutet Kami auch „Force
of Nature“ Feuer und Wasser = In und Yo (im Chin. Yin und Yang)
also das Auflösen
der Polaritäten
Bujin – Den Kampf durch Götter, Menschen oder das
Herz beenden.
Wie oben zu sehen spielen die Kami in der Philosophie des Ninpo
und des Budo eine bedeutende Rolle. Oft als „Gottheit“ übersetzt,
muss man jedoch klarstellen, dass Kami viele typische Eigenschaften
heiliger Wesen in anderen religiösen Kontexten (wie Unendlichkeit,
Allwissenheit, Güte, Unveränderbarkeit, Allmacht, Einfachheit
oder Einheit) nicht aufweisen.
Im Allgemeinen bezieht sich Kami auf die verschiedenen Kami des
Himmels und der Erde aber auch die Geister, die im Shinto in
Schreinen beheimatet sind. Kami bezieht sich auf Menschen, Tiere,
Vögel,
Gras, Bäume, Flüsse, Meere und auch Berge und alles sonst,
was überragende und außergewöhnliche Macht besitzt
und Ehrfurcht hervorruft. Die Kami lassen sich wie folgt eingliedern:
- Naturwesen und Naturphänomene
-
Vergöttlichungen von Abstrakten Ideen und auch Schicksalsschlägen
-
Vergöttlichungen von einflussreichen Personen und
Lehrmeistern
Kami müssen nicht erst gerufen werden sondern sind immer
da, wenn sie benötigt werden. Wer aber darauf hofft, in bestimmten
selbstgewählten Situationen von ihnen Hilfe zu erlangen, wird enttäuscht
sein. Nicht selten stellen sie einen auf ziemlich harte Proben,
aus denen man jedochin jedem Falle
einen
Nutzen
ziehen kann,
so lange man immer weiter geht und nicht resigniert. Übrigens
ein weiteres Grundprinzip des Budo, „Es ist alles im
Gehen.“.
Die Kami oder Bujin lieben es, ihre Spielchen zu spielen, um einen
auf das Eine oder Andere aufmerksam zu machen. Sie lassen sich
auch in speziellen Fällen rufen, jedoch ist hiezu ein mit
Kuden überliefertes
Wissen unumgänglich, um hier wirklich tiefer vorstoßen
zu können. Kami spielen auch eine spezielle Rolle im Budo.
Letzten Endes sind sie es, die einen im Kampf leiten und
lenken,
wenn man einen gewissen Level erreicht hat und diese Führung auch
zulässt.
Philosophie des Ninpo
Persönliche Erleuchtung kann nur durch totale Hingabe an
die Tradition der Kriegskunst, als Weg sein Leben zu leben, erreicht
werden. Durch die Erfahrungen der Konfrontationen mit der Gefahr,
die Transzendenz der Angst vor Verletzung oder Tod und einem wirksamen
Wissen der individuellen persönlichen Kräfte und Grenzen,
kann der Praktizierende des Ninjutsu die Stärke und Unsichtbarkeit
erlangen, um das schöne Gefühl der Blumen, die sich im
Wind bewegen und die Anerkennung der Liebe von anderen zu genießen,
ebenso wie die Zufriedenheit des Friedens in der Gesellschaft.
Das Erreichen dieser Erleuchtung ist charakterisiert durch die
Entwicklung von Jihi no kokoro, dem unerschütterlichen
Herzen.
Stärker als die Liebe selbst ist das unerschütterliche
Herz imstande all das aufzunehmen, was die universale Gerechtigkeit
und die Prinzipien des Universums ausmachen. Geboren im Inneren,
aus dem wiederholten Gang auf der Klinge zwischen Tod und Leben,
ist das unerschütterliche Herz des Ninpo der Schlüssel,
um Harmonie und Verstehen in beidem zu finden, den Rahmen der spirituellen
und der natürlichen materiellen Welt. Um die Philosophie des Ninpo und des Budo zu verstehen, muss man
sich eine Aussage genauer betrachten, denn dann bekommen Text und
Worte eine wesentlich weitere Bedeutung, als wie wenn man sie nur
auf der Ebene der Kriegskünste betrachtet.
„Budo ist Leben!“
Das heißt, dass jede Aussage hinsichtlich des Budo von allen
Blickwinkeln betrachtet werden sollte.
Auf körperlicher, emotioneller und spiritueller Ebene. Vor
dieser Aussage führt jede
Betrachtung der Kriegskünste zwangsläufig zu einem anderen
Bild, als es normalerweise üblich ist. Ebenso ist ein weiteres Kuden eine wohl sehr umfassende Aussage.
„Die Grundlage des Ninpo ist das Prinzip des Friedens.“
Nur wenn man diese Aussagen der Philosophie des Budo und des Ninpo
zu Grunde legt, lassen sich weitere Überlegungen anstellen.
Grundlagen und Prinzipien
Die
Essenz des Budo und Ninjutsu, wurde von Toda Shinryuken Masamitsu
in nur 5 Prinzipien zusammengefasst.
- Lerne zuerst, dass alles
Unerträgliche was Du
erdulden musst, nur zeitlich begrenzt ist.
- Verhalte dich immer korrekt.
- Werde nicht Opfer von Habgier, Luxus und Egoismus
-
Sorgen und Hass sind beide Teile des Lebens; verstehe, dass auch
sie Geschenke der Götter sind.
- Verirre dich nie vom Pfad des Spirits, noch von dem der Kriegskunst;
Sei ambitioniert in beiden Wegen, jenem der Feder und dem
des Schwertes
Ein Ninja ist jemand, der den Spirit des Budo repräsentiert.
Er wird sich selber schützen, aber nicht mit Techniken des
Mordens, sondern mit Empfindungen und Wahrnehmung. Er wird
einen unnötigen Konflikt immer vermeiden und selbst mit einem
Schwert bewaffnet einen Weg finden, dies nicht verwenden
zu müssen.
Das ist die Kunst in der die Ninja unterrichtet werden.
„Trainiere ein Jahr und Du kämpfst gegen Hundert. Trainiere
zehn Jahre und Du Kämpfst gegen Zehn. Trainiere 20 Jahre und
Du kämpfst gegen Einen. Trainiere ein Leben lang und Du kämpfst
gegen Niemanden mehr.“
Ende Teil I
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