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Die Figur des Teufels
Fangen wir mal im alten Testament an, also für die Leute,
die nicht so bibelfest sind: Die Bibel ist unterteilt in Altes
Testament und Neues Testament, also vorchristlich und nachchristlich.
Im Alten Testament spielt der Teufel interessanterweise kaum eine
Rolle, er ist kaum thematisiert, wenn dann wird er entweder hebräisch
mit dem Namen „satana“ oder auch griechisch „diabolus“ benannt,
was beides übersetzt werden kann mit „der Verleumder/
der Lästerer“. Die Funktion, die der Teufel im Alten
Testament einnimmt, ist zum einen das Instrument Gottes: Das heißt
er ist der Ankläger, und er testet die Tugenden und den Glauben
der Menschen. Interessanterweise, obwohl man es oft damit in Verbindung
bringt, geht aus dem Alten Testament nicht hervor, dass die Schlange
im Paradies etwas mit dem Teufel zu tun hat. Das bleibt offen.
Betrachten wir nun die Beschreibungen, die der Teufel in der Bibel
hat. Im Buch Hiob wird er als einer der Söhne Gottes bezeichnet.
Im Buch Jesaja heißt er „leuchtender Sohn der Morgenröte“.
Und im Buch Enoch - das werdet ihr übrigens nicht in der Bibel
finden, weil es eine apokryphe Schrift ist, also nicht offiziell
zur Bibel gehört, aber aus dieser Zeit stammt - da wird der
Name „Luzifer“, übersetzt „der Lichtbringer“,
eingeführt.
Im Neuen Testament wandelt sich das Ganze ein bisschen, er bekommt
eine wesentlich ausgeprägtere Funktion, er wird als der Widersacher
des christlichen Gottes dargestellt und als Gegner des sogenannten
Heilsplanes, dessen was Gott mit den Menschen vorhaben soll. Er
wird aufgebaut als der Gegenspieler Jesu und viele Wunder sind
nur Bilder um diesen Konflikt darzustellen, also zum Beispiel die
Austreibung der Schweine, in der er die Dämonen in unreine
Tiere fahren müssen, weil Gottes Sohn ihnen das befiehlt.
Es finden sich im Neuen Testament auch einige Beschreibungen, zum
Beispiel im Johannesevangelium wird er als „Fürst dieser
Welt“ bezeichnet. Im Zweiten Brief an die Korinther wird
er sogar als „Gott dieser Welt“ dargestellt und in
der Apokalypse des Johannes wird dann auch noch die Figur des Aufrührers
eingeführt, indem erzählt wird, dass sich damals ein
Drittel der Engel gegen Gott erhoben habe und der Teufel oder Satan
ihr Anführer war – die Luzifergestalt.
Es gibt natürlich auch historische Einflüsse, so lässt
sich feststellen, dass etwa 0 bis 100 nach Christus vieles aus
dem babylonischen übernommen wurde, was zum Teil sicher daher
rührt, dass der babylonische Glaube zu dieser Zeit durchaus
populär war und es einfach auch darum ging, es als negativ
darzustellen. Das war sozusagen PR des Christentums, das babylonische
als Böse darzustellen. Schließlich wurde 1215 im 4.
Lateralkonzil ganz klar festgestellt, dass der Teufel ein gefallener
Engel sei und damit wurde es zum Glaubenssatz. Hier hat sich das
Teufelsbild verdichtet und auch in weitere Bevölkerungsschichten
verbreitet. Im Mittelalter selbst gab es seltsamerweise kaum eine
personale Darstellung eines Teufels, es hat erst im 11. und 12.
Jahrhundert begonnen, dass die Figur des Teufels so dargestellt
wurde, wie man sie heute kennt.
Im 16. und 17. Jahrhundert wurde es dann noch mal konkretisiert,
indem eben der Protestantismus, vor allem Luther in seinen Schriften
vermehrt vor dem Teufel und seinen Versuchungen gewarnt hat. Verbreitet
wurde dies durch den Buchdruck – dadurch wurde es möglich
Konzepte schneller mehr Menschen zugänglich zu machen, als
zuvor – eine nicht unbedeutende Rolle spielte auch das Malleus
Maleficarum, denn darin fand eine Standardisierung des Teufelsbildes
statt. Dort wurde schriftlich festgelegt, wie alles auszusehen
hat, was mit dem Teufel im Bunde steht. Was ebenfalls eine Rolle
gespielt hat um dazu beizutragen, dass der Teufel viel mehr benutzt
worden ist um Bevölkerungsschichten auszugrenzen oder zu dämonisieren,
indem eben zum Beispiel gesagt wurde, dass Heiden, Moslems, Juden
und Frauen mit dem Teufel im Bunde stünden, war dass eine
Konnotation geschaffen wurde zwischen diesen Figuren, dem Wort „böse“ und
dem Teufel. Somit war es schneller möglich jemanden zu diskreditieren.
Das wurde als Instrument genutzt und trug zudem dazu bei das Teufelsbild
zu vereinheitlichen.
Wie sah es in der Aufklärung
aus?
In der Aufklärung gab es bestimmte Rahmenbedingungen, die
auch Auswirkungen auf das Teufelsbild hatten, zum einen verschwand
die Hexerei als soziales Phänomen, es war also somit keine
direkte Bedrohung mehr, auch wenn es lange gedauert hatte bis es
- zumindest nach außen hin – ganz verschwunden war.
Man hatte ein exakteres Wissen um Kulturen, die außerhalb
der Bibel standen und konnte dadurch auch viel eher feststellen,
inwiefern diese außerbiblischen Kulturen Einfluss auf das
Teufelsbild hatten. Grundsätzlich kann man sagen, dass in
der Aufklärung eine Entpersonalisierung des Teufelsbildes
stattgefunden hat, sozusagen die Gegenbewegung der Personalisierung.
Satan wird von der Figur wieder mehr zur Funktion und zwar als
Symbol des individuellen und kollektiven Übels. Es wird nun
vermehrt davon ausgegangen, dass die Wurzel Satans im Menschen
selber läge und er nicht eine Kraft von außen wäre.
Dies hat allerdings zu einigen Problemen geführt. Denn wer
Satan negiert, negiert auch andere Sachen, zum Beispiel, dass es
ein Wunderwirken gibt, dass es Überirdische Wesen gibt und
dass diese in der Lage sind den Menschen zu beeinflussen. Das heißt
man konnte recht schnell in die Meinung verfallen: „Wer Satan
negiert, negiert auch Gott“. Man darf auch nicht vergessen,
dass die Existenz des Teufels ein katholisches Dogma ist. Viele
Menschen trauten sich nicht so weit zu gehen dieses zu brechen
oder Gott abzuschwören, und es gibt also in der Aufklärung
Literatur von der vollkommenen Negation bis zur Bestätigung
des Teufelsbildes, wie es damals vorhanden war.
Gehen wir nun weiter
zum Teufel in der Psychologie
Da darf natürlich dieser Mann nicht fehlen: Sigmund Freud,
mit einer der Begründer der neueren Psychologie. Er postulierte
eine Wechselwirkung. Und zwar zum einen Triebverdrängung -
was so eines seiner Lieblingsthemen war - und zum anderen den Teufel.
Man kann beides als Metapher des anderen sehen, wenn man davon
ausgeht, dass alles rebellisch, böse, mächtig und furchterregend
ist. Man kann also sagen, dass der Teufel mehr oder weniger eine
Personifikation der Triebverdrängung ist und die Triebverdrängung
eine Auswirkung des Teufels. Natürlich ist das jetzt metaphorisch
gemeint, aber er hat diese unauflösbare Wechselwirkung in
vielen seiner Schriften formuliert.
Eine andere wichtige Person in der Psychologie, die sich auch
viel mit Okkultem beschäftigt hat war Karl Gustav Jung. Er
hat das ein bisschen komplexer formuliert. Er geht von einem Spannungsfeld
aus, vom Positiven auf der einen Seite und vom Negativen auf der
anderen. Sowohl Gott als auch der Teufel bewegen sich in diesem
Spannungsfeld. Beide haben sowohl positive als auch negative Aspekte.
Es ist etwa so, dass Gott liebt und der Teufel verführt, aber
andersherum ist es so, dass Gott böse Dinge zulässt und
der Teufel auch Erleuchtung bringt. Somit ist dies ein unauflösbares
Geflecht in Wechselbeziehung.
Ende Teil I
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