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Aber wer
von denen hat recht? Stimmt es, dass Gott tot ist? Stimmt es, dass
Nietzsche tot ist? Oder sind beide tot? Oder leben beide noch?
Bleiben wir kurz beim umstrittenen Philosophen Friedrich Nietzsche.
Er wurde 1844 geboren, dann hat er offenbar gelebt, gelitten, geschrieben
und ist letztlich verrückt geworden, bevor er – auch
ganz offensichtlich - 1900 gestorben ist. Dass also Nietzsche gelebt
hat und gestorben ist, ist geschichtlich doch sehr sicher bewiesen.
Nietzsche ist tot, es sei denn, es gibt ein Weiterleben nach dem
Tod, aber das wäre eine andere Geschichte.
Viel schwieriger aber
ist die Frage, ob denn Gott tot ist
(Man
verzeihe mir diesen Terminus im heidnischen Kontext, aber „Gott“ steht
hier mal ausnahmsweise für die Gesamheit aller Gottheiten.)
Also: Gott kann nur dann tot sein, wenn er vorher gelebt hat, denn
Dinge, die nicht leben, können schwerlich sterben. Bevor
wir also die Frage nach Gottes Ableben beantworten können,
müssen wir erst die Frage klären, ob Gott jemals gelebt
hat – oder ob er sogar noch existiert?
Aber wie kann man
feststellen, ob Gott existiert oder nicht? Diese Frage gilt natürlich jetzt für alle jemals erdachten
Gottheiten aller jemals erfundenen Religionen. Egal welche Gottheit
wir nun analysieren wollen, ob es die japanische Amaterasu ist,
die buddhistische Kuan Yin, der griechische Zeus, die afrikanische
Azaze Yaa, der keltische Teutates, der uramerikanische Große
Geist, die hinduistische Kali oder der Gott der drei monotheistischen
Religionen Judentum, Christentum und Islam – sie alle haben
dasselbe Problem: man weiß nicht ob ihre verehrten spirituellen
Wesen – also Gott - existieren (und vielleicht wissen sie
es die Götter und Göttinnen nicht einmal selbst).
Probieren wir es einmal mit wissenschaftlichen Methoden: Also:
wie groß ist Gott, zu welcher Spezies gehört er, wie
ist seine Körpertemperatur, wie alt ist er, welches Geschlecht
hat er, in welchem sozialen Verhältnis steht er zu den Menschen,
wie ist seine Körperbeschaffenheit; wenn er keinen Körper
hat, in welcher Energie verbirgt er sich dann, wie oft wurde er
schon nachgewiesenermaßen
von allen anwesenden Menschen nachprüfbar wahrgenommen, wie
sieht er aus, wie hört er sich an, wie riecht er, welche Sprache
spricht er, ist er gesund oder krank, wie kann man ihn wahrnehmen,
usw. Ich
glaube nicht, dass irgendjemand diese Fragen so beantworten kann,
dass sie wissenschaftlich jederzeit nachprüfbar sind. Wir kommen
also zu dem unbefriedigenden Schluss: Gott kann man leider nicht
beweisen.
Also probieren wir es mit Theorien. Die haben den Vorteil, dass
sie bloß schlüssig zu sein brauchen, weil man sie (noch)
nicht beweisen kann. Wenn man heutzutage einen x-beliebigen Menschen
in unseren Breiten fragt, ob er an Gott glaubt, erhält man oft
folgende Antwort: „Irgendetwas muss es ja geben, das diese
wunderbare Welt erschaffen hat! Das kann ja nicht alles Zufall sein!“ Diese
Behauptung ist nicht neu. Thomas von Aquin (1225 – 1274), ein
katholischer Heiliger (angeblich) und Vertreter der mittelalterlichen,
europäischen Philosophie (Scholastik) fand fünf Gründe
für seinen Gottesbeweis. Zwei davon decken sich mit obiger Aussage:
1., Alles, was sich bewegt, muss von einem „Beweger“ bewegt
werden und 2., Alles hat eine Ursache. Da aber nun seiner Meinung
nach weder die Beweger noch die Ursachen bis in alle Ewigkeit zurückverfolgt
werden können, MUSS es einen ersten unbewegten Beweger geben,
der aus sich heraus alles bewegt und eine erste Ursache, die für
alle weiteren Ursachen die Ursache ist. Ist doch ganz logisch, oder?
Aber Theorien haben leider den Nachteil, dass man immer Gegenargumente
findet: Was ist, wenn ALLES Bewegte einen Beweger braucht, wer bewegt
dann den Beweger, welche Ursache hat die erste Ursache? Vielleicht
braucht das, was existiert überhaupt keine letztlich begründbaren
Beweger oder Ursachen? Wer weiß, wer weiß,... Der gute
Thomas muss letztlich mit der Existenz Gottes für die Existenz
Gottes argumentieren, denn gegen jegliches theoretische Argument
kann man sehr leicht ein Gegenargument finden.
Schon blöd: Wir können Gott nicht beweisen, wir können
nicht 100%ig für ihn argumentieren, ohne in unbegründbare
Dogmen zu verfallen. Das einzige, was für seine Existenz noch
sprechen würde, wäre der Glaube an ihn. So ein Glaube ist
zwar wissenschaftlich unzulässig und auch selten logisch begründbar,
aber er hat es in sich! Der Glaube versetzt zwar keine Berge, er
kann aber Kranke heilen, ungeahnte Kräfte mobilisieren, Magie
bewirken, Frieden stiften und nette Menschen zu Selbstmordattentätern
machen. Wahrlich mächtig so ein Glaube. Vergleichen wir den
Glauben an Gott kurz mal mit einem anderen Glauben, nämlich
den an Titeln: Unser österreichischer Bundeskanzler mit seiner
politischen Autorität existiert nur deshalb, weil wir alle hier
glauben, dass die Verleihung des Titels „Bundeskanzler“ jemanden
zu einem solchen macht. Würde also plötzlich keine/r mehr
an den Bundeskanzler glauben oder den Menschen hinter dem Titel als
solchen anerkennen, also für nicht existent halten, stünde
unser armer Bundeskanzler ziemlich alleine da und er könnte
auch in keinster Weise irgendeine Art von Macht auf die „Ungläubigen“ ausüben,
da ja niemand an seine Autorität glaubte. So ähnlich ist
es mit Gott. Wenn kein Mensch an Gott glauben würde, gäbe
es ihn wohl nicht. Er wäre vergessen oder niemals erfunden worden.
Und ich würde mir hier nicht den Kopf darüber zerbrechen,
ob er denn existierte.
Die Existenz einer Gottheit oder eines anderen übernatürlichen
Wesens ist also nur subjektiv zu beantworten. Gott existiert ausschließlich
für die Gläubigen. Für Andersgläubige oder Atheist/innen
ist Gott nicht existent. Paradox zwar, aber meines Erachtens die
einzige Erklärung, die zum einen die Nichtbeweisbarkeit und
zum anderen die Bedürfnisse der gläubigen und nichtgläubigen
Menschen berücksichtigt.
Gut – jetzt wissen wir, dass Gott ziemlich unfassbar ist,
viele Gestalten hat, nicht beweisbar ist und nur deshalb existiert,
weil jemand an ihn glaubt. Aber lebt er nun, oder ist er tot? Hat
Nietzsche etwa recht? Alf Poier hat auf diese schwierige Frage eine
einfache Antwort gefunden: Gott kann nicht gestorben sein, denn keine/r
von uns, hat was von ihm geerbt (außer vielleicht die Erbsünde,
und auf die können wir getrost verzichten).
Also wäre auch das geklärt
Was aber, fragt man sich nun,
wäre, wenn man Gott plötzlich
doch beweisen könnte? Eine skurrile Antwort für absolute
Logikfreaks bietet der Science-Fiction-Klassiker „Per Anhalter
durch die Galaxis“ von Douglas Adams. Es geht hierbei um den „Babelfisch“,
ein Fischlein, das man sich ins Ohr steckt, und das alle Fremdsprachen
in Hörweite sinnvoll in die eigene Muttersprache übersetzt: „ ...Nun
ist es aber verdammt unwahrscheinlich“, heißt es
in diesem Roman, „dass sich etwas so wahnsinnig Nützliches
[wie der Babelfisch] rein zufällig entwickelt haben sollte,
und so sind ein paar Denker zu dem Schluss gelangt, der Babelfisch
sei ein letzter und entscheidender Beweis dafür, dass Gott NICHT
existiert. Die Argumentation verläuft ungefähr so:
"Ich
weigere mich zu beweisen, dass ich existiere’, sagt Gott,
"denn ein Beweis ist gegen den Glauben, und ohne Glauben bin
ich nichts.’ "Aber",
sagt der Mensch, "der Babelfisch ist doch eine unbewusste Offenbarung,
nicht wahr? Er hätte sich nicht zufällig entwickeln
können.
Er beweist, dass es dich gibt, und darum gibt es dich, deiner
eigenen Argumentation zufolge, NICHT. Quod erat demonstrandum." "Ach
du lieber Gott", sagt Gott, "daran habe ich gar nicht
gedacht!", und löst sich prompt in ein Logikwölkchen
auf. "Na, das war ja einfach", sagt der Mensch und
beweist, weil’s gerade so schön war, dass schwarz
gleich weiß ist,
und kommt wenig später auf einem Zebrastreifen ums Leben...“
Amen!
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