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 Wie im vorigen Artikel bereits angekündigt, möchte ich
gerne hier über das für mich wohl faszinierendste mythologische
Buch der Menschheitsgeschichte schreiben. Die Rede ist vom Amduat
- dem ersten Unterweltbuch der Ägypter.
Obwohl die ersten Unterwelttexte in Ägypten schon vor 4300
Jahren auftauchten, kam ihre Reformierung sehr spät. Die Rede
ist vom Neuen Reich, wo die Pyramiden endgültig durch die Tempel
und Felsengräber in Theben West ersetzt werden. Das bezeichnet
ca. die Zeit der 18. Dynastie und ist ungefähr 3510 Jahre her.
Was ist das überhaupt?
Amduat bedeutet soviel wie: "Das, was in der Dat ist"
und ist eigentlich eine spätere Gattungsbezeichnung für
alle weiteren Unterweltsbücher, die durch Reformationen des
Glaubens, Entwicklung, Fremdherrschaft usw. noch entwickelt wurden.
 In
diesem Buch wird den Ägyptern erklärt, wie der große
Gott Ra in seiner Nachtbarke durch die Unterwelt fährt, durch
gesprochene Worte den Achu dort Nahrung, Kleidung, Land und Luft
zum Atmen zukommen lässt, gegen Apophis den Widersacher kämpft,
sich im Laufe der Stunden im Binsengefilde verjüngt um am Ende,
wenn er auf Chontamenti (Osiris) in der Rasetjau (Land um die Richterhalle,
wo Osiris verweilt) trifft, wieder als Sonnenaufgang jung und kräftig
aufersteht um sich um seine lebenden Untertanen zu kümmern.
Dieses erste Unterweltsbuch beschreibt uns äußerst detailliert
das Leben, sterben und wieder leben in der Unterwelt der Ägypter
und gibt uns massiven Einblick in ihre Denkweise und ihre Ethik,
die sich eigentlich nur in zwei Hauptbereiche aufteilt: Diejenigen,
die für Osiris sind und jene, die dagegen sind. Zaubersprüche
und Hilfsmittel, Salben und Magie, welche die Ägypter im Leben
lernen, stehen auf dem Papyrus Ani (heute auch Totenbuch genannt),
einer Sammlung, die ich dann im kommenden Ägypten-Artikel behandeln
möchte.
Das Amduat ist in 12 benannte Bereiche (Länder) gegliedert,
was den 12 Nachtstunden entspricht, jeder dieser Bereiche ist noch
in 3 Register aufgeteilt, obere und untere Register geben Namen
und Aufgaben der einzelnen Geister, Wesen, Götter und Dämonen
in diesem Bereich an und der mittlere Register verfolgt den Lauf
der Barke.
Die "Fülle der Geschichte" wird in einem strengen, immer
wieder kehrendem Schema gebändigt. Geschehnisse, die sich jede
Nacht wiederholen, sind fortwährend einer definierten Stunde
zugeordnet:
- Das kurze Stoppen der Sonnenbarke
und ihrer Ruderer (9. Stunde)
- Die Zuweisung der Äcker für die Verstorbenen (2.
Stunde)
- Zuweisung der Kleider für die Verstorbenen (8. Stunde)
- Die Bergung der Ertrunkenen aus dem Unterweltsstrom
(10. Stunde)
- Die Überwindung des Apophis (7. Stunde)
- Die Bestrafung
der Verdammten (7. und 11. Stunde)
Für den Ägypter war es eine wohlwollende Pflicht alle
Namen und Benennungen des gesamten Buches auswendig zu lernen, denn
dieses Volk glaubte streng daran, dass, wenn man den Namen von jemanden
kennt, man auch mit Hike Macht über ihn besitzt.
Es geht für Pharaonen aber
auch kürzer
Jedoch kamen die Priester dem Pharao stark entgegen, als sie die
Langfassung des Amduats durch eine komprimierte Kurzfassung mit
"nur" mehr 300 Versen ergänzten.
Das Amduat und andere heilige Texte wie die berühmte "Sonnenlitanei"
oder das "Buch von Tag & Nacht" waren ursprünglich
rein den Königen und von ihnen ausgewählten Personen zugängig.
Erst am Ende des Neuen Reiches werden diese Texte dem Volke zugänglich
gemacht und finden sich dann auch auf Sarkophagen der Privatleute,
bis früh in die Ptolemäische Zeit hinein. Jedoch wurde
hier schon variiert, die Entwicklung schlief nicht und dem Amduat
folgten: Das Pfortenbuch, Das
Höhlenbuch & Das
Buch von der Erde.
 Betrachtet man das Amduat genau, findet man unzählige Symboliken
und Mythen, Zeichnungen und Stile, die schon seit der frühdynastischen
Zeit in Ägypten vorherrschten und das ist immerhin schon beinahe
7000 Jahre her. Speziell im Amduat ist die Barke mit dem Sonnengott
der Kern und der Hauptinhalt einer jeden Szene des mittleren Registers.
Mit in der Barke stehen in den meisten Stunden 9 Besatzungsmitglieder
des Ägyptischen Pantheons. Sie wechseln sich teilweise ab,
je nach der Gefahr, die Ra begegnen muss. Oft finden wir Upuaut
als Wegöffner am Bug der Barke und Horus als Steuermann am
Heck. Die Schöpferkräfte Hu und Sia werden wie Maat im
Amduat personifiziert.
Jedoch wandelt sich nicht nur die Besatzung, sondern auch die
Barke verwandelt sich! In der 4. – 6. Stunde verwandelt
sich die Barke in eine große Schlange um besser über
die Sandbänke
des Sokar - Landes gleiten zu können, während die Ringelschlange
Mehen ab der 7. Stunde nun den Schrein Ra´s umgibt um ihn
zu schützen, während sich die Barke wieder zurückverwandelt
und Isis den Bug der Barke betritt um im bevorstehenden Kampf
der
Götter gegen Apophis einen Zauber zu sprechen.
Wie die Ägypter die Unterwelt
empfanden
 Die Barke selbst und seine Wege symbolisieren lediglich das
Leben im Diesseits in all seinen Formen, so wie im Diesseits der
Nil die Hauptverkehrsader bildet, so ist es in der Unterwelt der
mächtige Unterweltsstrom Nun, auf dem die Barke durch die Lande
gleitet. Dieser Fluss Nun in seiner Ganzheit umringt die Schöpfung
und bildet die Fahrbahn für die Planeten und die Sonne usw.
Eine Vorstellung, welche die Ägypter dermaßen faszinierte,
dass sie begannen ihr Leben eher spärlich gar spartanisch zu
gestalten und harte Arbeit ihnen nichts ausmachte, da ihr Ziel das
Leben nach dem Tod, das Leben im Binsengefilde, die Verjüngung
in der größten Stadt, ergo die Unterwelt, war. Denn sie
sahen den Tod als eine Art Pubertät an und nach dem Tod begann
das Leben erst richtig.
Jedoch lauern auch in der Unterwelt Gefahren, ob es nun die Höhle
des Sokars, die Sandbank des Apophis (Widersacher Re´s), der
Feuersee – welcher nur den Verklärten den Durst löscht
und alle anderen bei lebendigen Leibe verbrennt, ob sie nun auf
Seth stoßen, der in schelmischer Absicht, und noch immer eifersüchtig
auf die Vormachtstellung seines Bruders Chontamenti – Osiris,
versucht die Seelen auf die falsche Fährte zu bringen, damit
sie nicht in die Halle der Gerechten kommen um verklärt zu
werden, sondern gleich im Feuersee verbrennen oder auf der Schlachtbank
Re´s mit seinen Feinden geköpft werden. Die Landschaften,
deren Aussehen und deren Konsistenz spiegelten genau das Leben eines
Menschen wider und so gibt es fruchtbare Stunden, Stunden, wo die
Barke durch die Wüste kreuzt, Stunden, wo sie Gefahren entgeht,
Stunden, wo sie bejubelt wird usw.
Jedoch wird auch der Ägypter gewarnt, denn die Unterwelt ist
ein Reich voll von Magie und Schönheit und Freiheit, aber Freiheit
hat ihren Preis.
Gefahren lauern genug und auch deshalb beschäftigten sich die
Ägypter damit, sie schon im frühesten Alter alle auswendig
zu lernen, denn schon die Ägypter wussten: "Wissen ist Macht"...
Raum und Zeit in der Anderswelt
der Ägypter
Sie versäumen nicht darauf hinzuweisen, dass die Unterwelt
ein realer betretbarer Ort ist, der auch jederzeit wieder verlassen
werden kann. Nicht nur dass (wenn man das Amduat genau verfolgt)
eben alles in Länder und Bezirke eingeteilt ist, so werden
sogar Größenangaben für die Gefilde gemacht. So
hat der Bezirk "Wernes" genau 309 mal 120 Meilen, jedoch
gibt das Amduat nur einen Teil des Jenseits an und zwar hauptsächlich
die "größte Stadt", in der die Toten leben, denn
die Zonen, in denen die Toten bestraft werden die "gegen Osiris
sind", liegen außerhalb des natürlichen Weges des
"Nuns" und Ra muss mit seiner Barke zweimal (in der siebenten
und elften Stunde) einen kurzen Umweg machen um eben in die Vernichtungsstätte
zu gelangen, wo seine Feinde geschlachtet werden und dadurch, dass
sie nie im Gericht bei Osiris waren und so nie verklärt wurden,
ist ihr Ba und Ka für immer dahin und somit jedwede Chance
auf neues Leben vertan. In der Unterwelt zu sterben bedeutet WIRKLICH
zu sterben.
Die Unterwelt selbst wird gerne als verkehrte Welt dargestellt,
die Himmelrichtungen aufgehoben, ja sogar die Schriftrichtung
stimmt
nicht, die Texte des Amduats sind stets rückwärts zu
lesen. Sogar in der 12. Stunde, als die so oft als Symbol benutzte
Uräus-
und auch Riesenschlange die Wiedergeburt vollzieht, geschieht
das vom Schwanz zum Maul aus, so dass Ra aus dem Maul der Schlange
mit der Barke fährt, vom Nun empor taucht und die Khemet
(Schwarzes Land) - Bewohner ihren heiß ersehnten Sonnenaufgang
sehen, denn dieser bedeutet, dass der Gott seine gefährliche
Fahrt
überlebt hat und nun wieder für die Lebenden sorgen kann.
Die Wege der Ägypter werden in der Dat (Unterwelt) stets im
Zickzack oder gekrümmt dargestellt, sogar das Gewässer
selbst fließt nie gerade über eine Landschaft, sondern
oft bergauf und bergab.
Diese abstrakte und gespiegelte Weise soll dem Leser deutlich machen,
dass man in dieser Welt nicht altert, sondern verjüngt wird,
und dass der Tod den umgekehrten Prozess zur Geburt auslöst.
Dem Ägypter war dies ein großes Anliegen dies seiner
Nachwelt zu vermitteln und so wurde penetrant darauf geachtet, dass
"Gerades" keine Chance hatte in den Text zu kommen.
Jedoch das größte Abstraktum ist wohl jenes, dass die
Dat in Zwölf Stunden eingeteilt ist, jedoch Zeit dort einen
unregelmäßigen Verlauf hat, ergo nach individuellen Verhältnissen
und Maßen bestimmt wird und speziell Handlungen gesetzt werden,
nicht nach Uhrzeiten oder Sonnenstand gerichtet, sondern "wenn
es Zeit ist" es zu tun.
Die Bestrafung der Bösen
Die Gerichtsbarkeit in der Dat ist unumstritten... Atum-Re
kümmert sich um seine Feinde in der 2ten und 9ten Stunde, wo
sie gerichtet werden und in der siebenten und elften, wo sie in
die Vernichtungsstätten gebracht, zuerst geköpft und danach
verbrannt werden, was den endgültigen Tod und damit das Feuer
des Vergessens bedeutet. Jedoch kommen hier nur die ernstzunehmenden
Feinde Re´s zum Handkuss, die den Apophis unterstützten,
ihn anbeteten und aktive Handlungen gegen das Götterpantheon
setzten.
Für die Verschuldungen im Leben, für deren Taten gibt
es noch tief in der Rasetjau die Gerichtshalle des Osiris, welche
leider aber im Amduat nicht so ausführlich behandelt wird wie
im nachfolgenden Pfortenbuch.
Hier fällen Chontamenti und seine Beisitzer (unter die sich
der selige Verstorbene gerne einreihen möchte) eine klare unwiderrufliche
Entscheidung, welche Rechtfertigung oder Verdammung bedeutet auf
alle Zeiten. Jedoch hat der Tote gute Chancen, kennt er die Zaubersprüche
dafür den Gott zu besänftigen und die Beisitzer wohlwollend
zu stimmen.
Denn das wohl wichtigste Gut ist die Ehrlichkeit und die wird in
dieser "Hauptverhandlung" überprüft.
Der Verstorbene muss aufzählen, was er Gutes und Schlechtes
getan hat, wo er Menschen half und wo er sie schlecht behandelte.
Osiris hört sich seine Reden an und der Mumifizierungsgott
Anubis baut nebenbei eine Waage auf, während Thot – der
Gelehrtengott und Hüter der Maat – die gestandenen Taten
des Angeklagten dokumentiert...
Nun kommt der Test: Anubis nimmt das Herz des Verstorbenen aus den
Ushebtis und wiegt es gegen eine Feder auf, je nach Gewicht der
gestandenen Taten. Das Herz eines reinen ehrlichen Menschen, der
Ra anbetet, ist leichter als eine Feder, so heißt es, das
eines Durchschnittsmenschen zumindest gleich schwer, aber das eines
Lügners, Stümpers, Gotteslästerers, Mörders
ist schwerer und entlarvt ihn somit.
In besonders schweren Fällen wird der nun dem Tode Geweihte
den Vernichtungsstätten außerhalb des Binsengefildes
übergeben, wo er gemeinsam mit den Feinden Ra´s geköpft
und verbrannt wird. Stellt er sich jedoch als Sünder heraus,
dessen Taten nicht so grausam waren, so wird er dazu verdammt, ein
Teil der verkehrten Unterwelt zu sein und muss so bis zum Ende der
Existenz der Rasetjau auf den Händen laufen, mit dem Hintern
essen und durch den Mund koten. Sie werden versuchen aus dem Feuersee
zu trinken und nur sie wird das Feuer innerlich aufbrennen.
Lediglich die guten Menschen die im Sinne Ra´s und Osiris
ein weiteres schönes Leben hier verdient haben, bekommen ihre
Äcker, Häuser und Kleider zugewiesen, treffen ihre Verwandten
wieder und leben ein schönes Leben in einem Land, wo sie täglich
von einem Gott besucht werden, der ihnen alles gibt, was sie brauchen
um glücklich zu sein und ihr Leben normal fort zu führen.
 Apophis - Der Widersacher
Dieser schlangenartige Feind wartet so gegen Ende der sechsten
und zu Beginn der siebenten Stunde auf Ra und seine Barke um gegen
ihn und seine Götter zu kämpfen. Er saugt das Fahrwasser
der Barke mit seinem mächtigen Leib auf, so dass die Barke
zum Anhalten gezwungen wird. Durch Magie fährt jedoch die Barke
weiter und versucht der Riesenschlange auszuweichen, mächtige
Feuer speiende Uräusschlangen leuchten Re hier den Weg. Danach
beginnt die Besatzung der Barke mit dem Kampf gegen den Widersacher.
Täglich wird das Tier bezaubert (von Isis) und vom "Ältesten
aller Magier" gelähmt, Re und seine Gefolgsleute springen
dann aus der Barke und kämpfen gegen den geschwächten
Apophis einen harten Kampf, bis dieser gefesselt und in der elften
Stunde dann zerstückelt wird, um in den Fluss Nun geworfen
zu werden. In der zwölften Stunde wird dieser große Triumph
nochmals angesprochen.
Apophis ist eine fortwährende Bedrohung für die Ägypter,
die es für Re und seine Gefolgschaft immer wieder zu überwinden
gilt. Viele Magier der heutigen Zeit setzen ihn mit den ursprünglichen
Drachen Leviathan gleich, was Ra dann den Rang eines Behemoths geben
würde. Denn schon im alten Ägypten wurde Apophis als der
"Gegner aller Ordnung" bezeichnet. Weitere Namen sind "Übelgesicht"
und "Der mit dem schrecklichem Gesicht".
Das Buchverzeichnis
Ich möchte hier nun die Stunden auflisten und einen Vers einfügen,
der mich besonders anspricht.
Das
Amduat – Das was in der
Dat ist
Die Schrift des verborgenen Raumes.
Die Standorte der Bau und der Götter, der Schatten der Achu
Und was getan wird.
Der Anfang ist das Horn des Westens,
das Tor des Westhorizonts;
das Ende der Urfinsternis,
das Tor des Westhorizonts
Zu kennen die Unterweltlichen Bau,
zu kennen die Geheimen Bau,
zu kennen die Tore und die Wege,
auf denen der größte Gott wandelt.
Zu kennen was getan wird,
zu kennen, was in den Stunden ist, und ihre Götter,
zu kennen, den Lauf der Stunden, und ihre Götter.
Zu kennen ihre Verklärungen für
Re,
zu kennen was er ihnen zuruft,
zu kennen die Gedeihenden und die Vernichteten.
1.) Stunde 1: Dieser Gott tritt ein
in den westlichen Torweg des Horizonts. Seth steht am Ufer. Es
sind
120 Meilen Fahrt durch diesen Torweg, ehe die Barke die Unterweltlichen
erreicht, er zieht danach zum Wernes.
Wasserfläche des Re! ist der Name dieses Gefildes",Der zu
den beiden Flammen gehört" ist der Name seines Hüters.
Dieser Gott beginnt Weisungen zu erteilen und für die zu sorgen,
die in der Dat sind, bei diesem Gefilde und diesem Torweg, an denen
dieser Gott vorüberzieht. (1h, mittleres Register 9-11)
2.) Wernes, Äckerverteilung
3.) Wasserverteilung, Belebung des Ba (Plural Bau)
4.) Einteilen der Luft und Lebensmittel
5.) Auf dem Rücken der Schlange
(Barke verwandelt) Durch Sokars Gefilde
Dieser große Gott fährt dahin, indem er gezogen wird
über diese Höhle in seiner Barke, die in der Erde ist, "Mit
lebendigem Bau". Die Unterweltlichen Götter sagen
zu diesem großen Gott:
In Frieden, in Frieden, Herr des Lebens!
In Frieden, der den Westen befriedet!
In Frieden, der die Erde öffnet!
In Frieden, der im Himmel ist!
In Frieden, der den Gegenhimmel befriedet!
In Frieden, es triumphiert der Herr der Neunheit!
In Frieden, es breitet dir die Erde (Dat) die Arme aus, es bahnt
dir die Nekropole ihre Wege!
(Stunde 5, Mittleres Register, 84)
6.) Die Götter greifen zu ihren
Opfern und teilen die Äcker neu ein.
7.) Kampf gegen den Apophis
8.) Zuweisung der Kleider an die Verstorbenen
9.) Barke hält, kurze Pause ;-)
10.) Rettung der Ertrinkungsopfer aus dem Urfluss
11.) Bestrafung der Feinde
12.) 12. Stunde: Austritt aus der Unterwelt.
(Mittleres Register, Stunde 12, 197) ... Dieser Gott fährt
dahin auf diese Weise in dieser Stätte im Rückgrat dieses
geheimen Bildes der Schlange "Leben der Götter",
während
seine Götter ihn ziehen. Er tritt ein in ihren Schwanz und
er kommt heraus aus ihrem Maul, indem er geboren ist in seiner
Erscheinungsform
des Chepri und die Götter, die in seiner Barke sind, ebenso.
Er verweilt über dem geheimen Bild des Schu, der den Himmel
trennt von der Erde und der Urfinsternis.
Seine Arme sind es, welche die Dat versiegeln. Dann lässt
sich dieser Gott im östlichen Horizont des Himmels nieder,
und Schu empfängt seine Erscheinungsform des Käfers
beim östlichen
Ufer. (Alle Verse übersetzt von Erik Hornung aus "Die
Unterweltsbücher
der Ägypter".)
Mein Schlußwort
So, jetzt habt ihr mal einen Überblick über die ägyptische
Mythologie bekommen und ich hoffe, ich konnte euch ein wenig in
die Denkweise diesen alten Volkes einführen. Speziell hier
sieht man, wie wichtig für die Ägypter das Leben nach
dem Tode war und vor allem wie penibel sie auf der Einhaltung diverser
Rituale bestanden um möglichst alle Gefahren im vorhinein auszuschalten,
welche das unbeschwerte Leben in der "größten Stadt"
gefährden könnte.
Ich wage sogar zu behaupten, hier einige Parallelen zur europäischen
sowie nahöstlichen Mythologie zu sehen, speziell jetzt die
Bibel betreffend und den keltischen Vorstellungen...
Ich spiele dabei auf die Köpfung der Feinde an, "damit sie
nicht noch mal leben"... früher wurden hier in Europa
auch die Feinde geköpft, damit sie nicht als Untote zurück
kommen und sich rächen. Eine Unterwelt, in der man unbeschwert
lebt und dennoch ein- und ausgehen kann wie bei der Haustür,
erinnert mich auch sehr an die Autre Monde speziell der Inselkelten.
Von der Verbrennung der Feinde, im Feuer des Vergessens, welche
dem Widersacher halfen, muss ich wohl nicht erst darauf hinweisen,
dass dies alles große Ähnlichkeit mit der christlichen
Mythologie aufweist. Und wieder einmal ward bewiesen, dass es
sich
beim Christentum um eine Postägyptische Religion handelt,
was auch logisch erscheint, da dieses Land gemeinsam mit den Mesopotamischen
Ländern durch ihren regen Handel die Welt rund um sich beeinflusste.
Kurze Worterklärung:
Ba: seelenähnliches Wesen, das als Erinnerung und Persönlichkeit
des Verstorbenen in der Unterwelt weiterlebt
Ka: sein Geist & Hilfsgeister, welche gern als unterschiedliche
Aspekte einer Person dargestellt werden, aber in Ägypten wurde
ja alles personifiziert
Ach(u): Alle höher organisierten Wesen, seien es Götter,
lebende Magier, Tote nennt man im Singular ACH, was soviel wie Verklärter
bedeutet
Hike: Ägyptisches Wort für Magie, Magis, Energie, Informationsfluss.
Götter können sich dieses Hike als Wesensbestandteil aneignen,
der Mensch hingegen nur, wenn er Handlungen und Worte setzt, die
vom Hike (auch Heka) durchströmt werden.
Hu: Ausspruch, Befehl, und am Anfang war das Wort, Schöpferkraft
Atum-Re´s
Sia: Erkenntnis und Verstand, Sia bedarf Hu und umgekehrt, Schöpferkraft
Atum-Re´s
Maat: Erhält Gleichgewicht, das untrennbare YinYang der Antike,
wird oft als Göttin personifiziert. Trennt Chaos von Ordnung.
Ushebtis: Kleine Urnen die als Hilfsgeister die Gedärme des
Toten tragen (ähnlich dem Schrein), nur liegt die Aufgabe der
Ushebtis weiterhin darin nach dem Tod und der Verklärung durch
Osiris, vom Ka beseelt, als Hilfsgeister und Diener den Menschen
in der Unterwelt das Leben zu erleichtern.
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