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Die Beziehung zwischen Baum und Mensch ist immer wieder spannend
und wird sowohl in Überlieferungen aus allen Teilen des Globus
bis hin zu neuzeitlichen "Baumliebhabern" thematisiert,
auch viele Naturwissenschaften befassen sich mit dem Thema Baum,
produziert der Baum als Kollektiv doch eines der chemischen Elemente,
welches eine Lebensgrundlage (fast) allen Lebens dieses Planeten
ist und ohne den uns im wahrsten Sinne des Wortes die Luft ausginge.
In Bezug auf Letzteres ist der Begriff des Lebensbaumes exakt stimmig,
auch wenn das unsere Altvordern wohl in dieser Art noch nicht wahrnehmen
konnten, sondern sich vielmehr an Kriterien wie etwa dem Alter eines
Baumes oder seiner nahrungsspendenden Früchte orientiert haben
dürften.
Der Baum als Spender des Lebens im allgemeinen ist wohl in allen
Kulturen definiert worden und es ist anzunehmen, dass er in archaischen
Gemeinschaften deshalb besonders verehrt wurde - dies allerdings
ist eine Vermutung, die auf den Ansichten z.B. der Yanomami zum
Thema Baum beruhen.
Postulat 1: Die kulturelle
Grundidentität der Hominiden beinhaltet oder beinhaltete
demnach den Baum als den "Spender von Leben" - und zwar
in jedem Bereich - wohl als Symbol für "Langlebigkeit";
den Begriff der Unsterblichkeit möchte ich ebenfalls erwähnen.
Wenn wir nun einen diversifizierenden Schritt weiter gehen und
uns die verschiedensten Biotope der Erde ansehen, so kann man zunächst
prinzipiell solche Regionen unterscheiden, welche immergrüne,
laubtragende Bäume und solche Regionen, welche immergrüne
(Nadel)Bäume und laubwerfende Bäume beherbergen.
Die kulturelle Identität der in den beiden Lebensräumen
herumwuselnden hominiden Bewohner wird beim Thema Baum hinsichtlich
1. nicht wesentlich divergieren, jedoch stehen oftmals die laubwerfenden
Mitbewohner als Symbol für den Jahreszyklus und die immergrünen
als Symbol für Unsterblichkeit.
Postulat 2: Der Laubbaum
als Symbol für den Jahreszyklus und der Nadelbaum oder immergrüne
Laubbaum (z.B. Steineiche) wird nur dort als solches benutzt,
wo die entsprechenden klimatischen Gegebenheiten existieren. Auch
kann hier der Baum als eine Achse kulturspezifischer Vorstellungen
der Welt oder des Universums thematisiert werden.
Aus diesem Grunde heraus kann man annehmen, dass es sich - um zur
frühen europäischen Kultur zu kommen, in deren klimatischem
Umfeld Frühjahr (Austrieb) und Herbst (Laubfall) eine Rolle
spielen - bei immergrünen Laubbäumen, die in Sagen und
Legenden auftreten, um mystische Überhöhungen von real
existierenden Bäumen handeln könnte bzw. die Gattung der
Nadelbäume beschrieben wird.
Schließlich kann man sagen, das sich differenziertere kulturspezifische
Mythen um Bäume und deren Beziehungen zu Gottheiten (z.B. bei
den Kelten oder den Germanen) auch an Wuchsform und Früchten
(bzw. deren Verwendung für medizinische und werkstoffliche
Zwecke) festmachen lassen, wobei sich die zugrunde liegenden Symbolismen
wahrscheinlich im Laufe der Zeit verschliffen haben bzw. durch interkulturellen
Austausch mit anderen Völkern an Komplexität gewinnen.
Postulat 3: Eine
spezifische kulturelle Identität und die Symbolik des Lebensbaumes
ist dicht verwoben mit der Kultur, in dessen Einzugsbereich ein
Individuum aufwächst und lebt. Nichtsdestotrotz kann (und
darf!) sich ein Individuum wegen der grundlegenden Symbolismen
auch auf eine andere, nicht den geografischen und klimatischen
Gegebenheiten entsprechenden Symbolismen beziehen bzw. seine persönliche
kulturelle Identität und Symbolik auf jene im kultischen
Sinne ausrichten (z.B. ein europäisches Individuum sich der
kultischen Symbolik des Bodhi-Baumes bedienen).
Vorsicht ist allerdings geboten, wenn verschiedene Symboliken unbedacht
miteinander vermischt und im kultischen Gebrauch verwendet werden;
etwa mit einer Aussage die Symbolik des Apfelbaumes in der gälischen
Mystik, der isländischen Edda und den griechisch- oder römisch-antiken
Sagen seien gleich; oder aber früchtetragende Baumarten von
ihrer Symbolik her einfach gleich gesetzt werden. Es lassen sich
sicher wie in 1. und 2. bezeichnete, grundlegende (und das sei betont!)
Symbolismen miteinander VER-gleichen; aber sie sind in ihrer kultischen
Bedeutung für die jeweilige Identität der Gesellschaftsform
nicht dasselbe.
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