In memoriam Madame Mim::
Ein näherer Blick auf spirituelle Methoden   Teil IV

Nachdem ich im letzten Mehrteiler auf Entwicklungsstufen eingegangen bin (siehe "Ist Religion wirklich so schlimm?"), haben sich einige Fragen zu spirituellen Methoden ergeben ...

Die Fragen vom Anfang

Werden bestimmte Praktiken nur auf bestimmten Stufen verwendet, z.B. ist jeder Schamanismus Magenta?

Nein. Am Beispiel Schamanismus: Magenta ist die Stufe, auf der Schamanismus entsteht. Deswegen ist es die dort vorherrschende Disziplin. Selbstverständlich kann Schamanismus auf jeder höheren Stufe praktiziert werden und kommt auch dort vor. Ich kenne einige Schamanen und das von Rot bis Petrol. Allerdings ist der Großteil, der hier bei uns im Westen praktiziert Grün bis boomeritisch Grün. Und auch wenn die meisten selber von sich glauben auf Türkis zu sein (wenn man ihnen Graves/Spiral Dynamics erklärt), sind sie das nicht (ich persönlich kenne einige, sehr sehr wenige Schamanen auf Petrol. Türkis ist mir noch kein einziger begegnet). Genauso kann non-dualer Mystizismus theoretisch auf allen Stufen praktiziert werden, praktisch vorgekommen ist er aber erst von Bernstein an aufwärts, da die ersten non-dualen Mystiker so um 700 n.Chr in Bernsteinernen Kulturen erschienen sind. Rot bringt oft nicht die notwendige Dispziplin mit, sich einem Trainingsprogramm für nicht-duale Zustände zu stellen.

Schamanismus wird hauptsächlich im psychischen Bewusstseinszustand praktiziert, die Stufe ist hiermit ziemlich egal. Trotzdem verwendet er sehr oft Prinzipien oder Praktiken von Magenta, auch wenn der Ausübende selbst von höheren Stufen aus agiert. Warum? Weil Magenta einfach sehr tiefgreifende Wirkung auf Menschen hat (immerhin praktizieren 80% hier bei uns im Westen das Weihnachtsfest auf Magenta) und deshalb sehr effektiv für gewisse Probleme eingesetzt werden kann. Erinnern wir uns, Magenta ist ja von sich aus nicht schlecht oder “unterentwickelt”, im Gegenteil, es ist absolut notwendig. Und Probleme, die auf Magenta entstanden sind, sind auch am Besten darüber zu behandeln.

Zusammenfassend: Schamanismus kommt auf jeder Stufe ab Magenta vor, bedient sich normalerweise des psychischen bis subtilen Bewusstseinszustandes und verwendet oft Gegenstände, Methoden und Praktiken aus Magenta. Da ist absolut nichts abwertendes dran (mit Ausnahme der pathologischen Formen).

Was ist mit spiritueller Entwicklung (durch Einweihungen, Rituale etc)?

Einweihungen und Rituale haben teilweise Magenta Charakter, kommen aber natürlich auch auf höheren Stufen vor. Eine christliche Priesterweihe ist letztendlich auch ein “Einweihungsritual”, eben auf Bernstein.

Der Ziel eines Rituals ist normalerweise jedoch, diese Einweihung in einem anderen Bewusstseinszustand zu empfangen (meistens psychisch und subtil, seltener kausal), dadurch eine direkte Wahrnehmung zu haben, die dann Auswirkungen auch auf das restliche Leben hat. Grob zusammengefasst heisst das, dass eine Erfahrung in einem Zustand gemacht wird, dieser bewirkt durch die veränderte Perspektive eine Differenzierung und somit einen leichten Schub zur Entwicklung auf der jeweiligen Stufe. Oft ist das natürlich nur auf einen Bereich, bzw. auf eine Entwicklungslinie beschränkt.

Somit passieren zwei Entwicklungen: erstens wird der Zustand weiter geschult, zweitens kann es zu einer Rückwirkung auf die Entwicklungsstufe in spezifischen Entwicklungslinien kommen.

Was ist Spiritualität überhaupt?

Laut AQAL gibt es vier Definitionen von Spiritualität. Diese ergeben sich aus den untersuchten Meinungen, was Spiritualität letztendlich ist. Dies ist wichtig, da die eine Form der Spiritualität nicht mit der anderen direkt kompatibel ist. In einer Diskussion kommt es daher oft zu vollkommenen Missverständnissen, wenn die Diskussionspartner jeweils eine andere Sichtweise von Spiritualität haben und am Ende entsteht ein vollkommener Kuddelmuddel.

  1. Spiritualität sind die obersten Ebenen der Entwicklungsstufen. Diese Sichtweise ist relativ weit verbreitet, da viele hohe Entwicklung mit Spiritualität assozieren. Und tatsächlich sehen in den Stufenmodellen ja z.B. Petrol und Türkis “spiritueller” aus. Jedenfalls ist das eine gültige Definition
  2. Spiritualität ist die direkte Wahrnehmung von spirituellen Phänomenen. Damit sind die Bewusstseinszustände gemeint. Spiritualität wird somit damit gleichgesetzt, diese Zustände einnehmen zu können. Verbreitet ist bei dieser Ansicht, dass nur authentische eigene Erfahrungen “richtig” spirituell sind.
  3. Spiritualtität ist eine eigene Entwicklungslinie. Auch das ist eine gültige Formulierung, die z.B. durch Fowlers Stufen des Glaubens untersucht wurde. Sie geht somit als eigene Subpersönlichkeit durch dieselbe Entwicklung wie die anderen Linien
  4. Spiritualität ist eine gewisse Haltung. Oft ist damit so etwas wie Offenheit, Liebe etc. gemeint. In AQAL Sicht ist dies ein gewisser Typ. Typen sind Grundausrichtungen, die sich vertikal über Entwicklungsebenen erstrecken und Grundhaltungen darstellen, die sich durch alle Stufen durchziehen. Beispiele dafür wären z.B. Enneagramm und andere Typologien. Was mit dieser Definition von Spiritualität problematisch ist, ist dass sich Dinge wie Liebe selbst als Linien entwickeln und somit auf Definition 3 zurückfallen würden. Offenheit hat eine gewisse Berechtigung aber auch hier ist es schwer. Ist ein egozentrischer Mensch tatsächlich offen? Oder ist Offenheit gegenüber Wahrnehmungen gemeint? Dann wäre es eher ein Zustand, also Definition 2. Trotzdem wird diese Definition landläufig auch oft vertreten, weshalb sie verwendet wird.

AQAL benutzt alle vier. Bei einem Gespräch über Spiritualität ist vorher nur festzustellen, welche davon gemeint ist. Durch die Sichtweisen gibt es verschiedene Möglichkeiten z.B.: sind Kinder spirituell? Nach 1: nein, 2: ja, 3: ja, 4: theoretisch ja.

Ein Esoteriker, Neuheide oder Mystiker wird eher zu Definition 2 tendieren und somit alle, die nicht direkte Erfahrungen in Zuständen haben als “unspirituell” sehen.

Ein Student von Graves wird eher Definition 1 bevorzugen und somit alle niedriger als Petrol entwickelten als “unspirituell” sehen.

Sie sehen, es können sehr schnell jede Menge Missverständnisse herauskommen, deshalb sind diese Definition so wichtig.

Aber überlegen Sie mal selbst, wen sehen Sie als spirituell, wen nicht:

  • ein Mann im Armani Anzug
  • eine Prostituierte
  • ein Hochschulprofessor
  • ein Priester
  • ein Drittgrad-Wicca
  • ein Mathematiker
  • ein Mann im Trägerhemd, der Gewichte stemmt

Michael Oswald


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