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Wie alles begann
Mara trat in mein Leben als sie vier Monate alt war. Ihr Züchter hatte sie aus Versehen mit dem Auto überfahren, und so hatte der junge Hund das Becken an vier Stellen gebrochen. Weil der Züchter sie so nicht mehr gebrauchen konnte und die Prognose auch eher vorsichtig zu stellen war, sollte sie in der Tierklinik, in der ich gearbeitet habe, eingeschläfert werden. Sie tat mir leid, und so verhinderte ich die Euthanasie und nahm sie mit nach Hause. Mit sehr viel Mühen und Arbeit konnte ich auch diesen Hund wieder gesund pflegen. Mara wurde zu meinem Ein und Alles. Wir waren 24 Stunden am Tag zusammen. Fuhr ich auf Großtierpraxis ging sie mit, hatte ich Kleintiersprechstunde, wartete sie brav im Büro, bis ich fertig war. Wir zwei liebten und brauchten einander - waren ein tolles Team.
Es ist Beltane 2004
Wir drei Frauen sind fröhlich und beschwingt. Wir sind gerade beim Kräuter sammeln für die Neun-Kräutersuppe, die wir nachher über dem Feuer zubereiten wollen.
Ich blicke hinter mich zur Holzbrücke, auf der mir mein Schäferhund Mara folgt. Sie taumelt auf mich zu, jault auf und bricht neben mir zusammen. Herz- und Atemstillstand! Ich glaube nicht, was ich da sehe, aber als gelernte Tierarzthelferin weiß ich was zu tun ist. Mittlerweile sind auch die anderen zwei Frauen bei uns angekommen und können nicht fassen, was sich gerade vor ihren Augen abspielt…
Ich starte die Mund zu Schnauze Beatmung und gebe einer der beiden Frauen Anweisung, wie sie mir mit Mara helfen kann. Meine Hündin fängt wieder an zu atmen, und auch das Herz schlägt wieder… alles jedoch schwach und instabil. Moi, eine der zwei Frauen, rennt los und holt ihr Auto. Wir müssen zur weiteren Behandlung schnell zur Tierarztpraxis…
(…)
Leider werde ich Beltane immer in Erinnerung haben, als den Tag, an dem mein Hund starb. Ich bleibe zurück. Nur der eine Teil von uns… fühl´ mich elend und allein.
Vor vier Wochen erst hatte ich eine Fehlgeburt. Die Natur hatte es so entschieden und ich konnte es akzeptieren. Jetzt stirbt Mara. Sie war gerade mal neun Jahre alt. Was das erste Unglück noch nicht geschafft hat, schafft jetzt dieses Ereignis hier. Ich steh komplett neben mir und bin erstmal krank geschrieben.
Mir geht es nach wie vor sehr schlecht. Alles in mir ist leer. Ich kann keine Energien mehr halten, es fühlt sich an wie ein großes Loch. Noch dazu kommt, haltet mich von mir aus für verrückt- dass ich die Anwesenheit von meiner Mara fühlen kann. Sie ist da… ich kann sie spüren, nur nicht sehen… es macht mich fast wahnsinnig. Ich muss mir helfen lassen und schreibe in meiner Not eine Mail an eine befreundete Hexe. Sie versteht, was ich ihr schreibe und schreibt mir, was zu tun ist.
Anhand ihrer Mail, bereite ich das Ritual vor. Suche alle Dinge, die ich brauche zusammen. Schreibe alles genau auf. Ich gehe noch einmal ihre Mail durch: Nackt? Nun gut, von mir aus auch nackt! Ich sorge dafür, dass ich meine Ruhe habe und schicke am Abend meinen Freund zu seinen Freunden.
Im Wohnzimmer auf dem Boden lege ich eine Decke und baue alles darauf auf, was ich in den nächsten Stunden für das Ritual brauchen werde.
Da sitze ich nun. Mir wird schwer ums Herz, und mich fröstelt. Ich schließe die Augen und konzentriere mich. Ich fühle deutlich, wie Mara zu mir herläuft und neben meiner Decke, auf der ich sitze, Platz macht. Ein wahrer Heulkrampf schüttelt mich. „Was mach ich hier nur?“ Ich sitze nackt und heulend auf dem Boden, ein Foto von meinem Hund an einem roten Band um die Brust gebunden. Das Foto verbunden mit mir, so wie es gehört.
„Nun trenne das Band mit dem Foto durch“ lese ich in der Mail von Anufa. Das geht ja mal gar nicht! „Trenne Dir den kleinen Finger mit dem Athame ab“ hätte sie auch verlangen können in ihrer Mail an mich…. Schwach, mutlos und ängstlich vor dem was kommt sitz ich da… Ich lese die Mail durch. Immer wieder.„Hätte ich das bloß nie angefangen“ Ich sitze da… kann es nicht tun, kann mit dem Ritual nicht weitermachen. Ich weiß nicht wie lange ich so da saß. Spüre meine Füße schon nicht mehr… immer wieder laufen mir die Tränen übers Gesicht. Dann tu ich es. Ich schneide mit meinem Athame das rote Verbindungsband durch und erwarte, dass Mara aufsteht und wegläuft, genauso wie sie gekommen ist. Erst einmal geschieht gar nichts und ich werde schon langsam nervös. Dann „verblasst“ mein Hund einfach und ist weg.
Ich sitze da und kann es noch gar nicht glauben… sie ist tatsächlich weg. Es fühlt sich traurig an aber gleichzeitig bin ich auch froh. Ich verbrenne das Foto mit dem Band in meinem Kessel. Sobald sich meine Füße wieder zurück gemeldet haben laufe ich mit dem Kessel und den Ritualresten zu einem kleinen Bach in meiner Nähe und kippe alles in Wasser. Es ist stockdunkel. Als ich wieder heim komme fällt mein Blick als Erstes auf den Abreißkalender… er steht immer noch auf dem 30.April. Sechs Wochen sind seit her vergangen. Ich reiße die Blätter ab bis zum aktuellen Datum.
Mein Leben ohne Mara fängt jetzt an.
27.09.1994 Mara 30.04.2004

Als
ich Dich bekommen habe warst Du noch ganz klein. Du warst sehr
krank und ich hab Dich wieder gesund gepflegt. Du machtest in den
neun Jahren die ich Dich haben durfte alle Höhen und Tiefen
mit mir durch und Dein Fell war oft nass von meinen Tränen…
Dann kam der Tag vor dem ich mich so
gefürchtet hatte - viel zu schnell. Du hast Dir Beltane ausgesucht.
An einem Herzschlag bist Du zusammen gebrochen. Wir haben Dich reanimiert, zweimal.
Als bei der Tierärztin Dein Kreislauf nicht mehr stabil werden wollte, hab ich Deinen Wunsch akzeptiert.
Ich gab Dir mit zitternden Händen
und blind vor Tränen die erlösende Spritze…
Jetzt sitz ich hier mit dem Foto von
Dir in der Hand und kann es noch immer nicht fassen…
Aber weißt Du was? Du bist nicht wirklich weit weg.
Du bist tief in mir. In meinem Herzen, mein Mäuslein!
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