Hast du das Schloss gesehen,
das hohe Schloss am Meer?
Goldenen und rosig wehen
die Nebel drüber her.
Es möchte sich niederneigen
In die spiegelklare Flut;
Es möchte streben und steigen
In der Abendwolken Glut.
Wohl hab ich es gesehen,
das hohe Schloss am Meer,
und den Mond darüber stehen,
und Nebel weit umher.
Der Wind und des Meeres wallen,
gaben sie frischen Klang?
Vernahmst du aus hohen Hallen
Saiten und Festgesang?
Die Winde, die Wogen alle
lagen in tiefer Ruh´,
einem Klagelied aus der Halle
hört´ ich mit Tränen zu.
Sahest du oben stehen
den König und sein Gemahl?
Der roten Mäntel wehen,
der goldenen Kronen Strahl?
Führten sie nicht mit Wonne
eine schöne Jungfrau dar,
strahlend wie eine Sonne,
strahlend im goldnen Haar?
Wohl sah ich die Eltern beide,
ohne der Kronen Licht,
im schwarzen Trauerkleide;
die Jungfrau sah ich nicht.
(Quelle: "Das Schloss am Meere", Gedicht
von Ludwig Uhland 1805)
Manche Schamanen sprechen von der "Welt der Geister" und selbst das Paradies der monotheistischen Religionen kann als Anderswelt gesehen werden.
Also viele Welten, die "anders" sind als unsere
Anhand des Textes des oben genannten Gedichtes kann man sehr schön die verschiedenen Wahrnehmungen der Anderswelt sehen. Während der eine ein Schloss im Festrausch sieht, so nimmt der andere zur gleichen Zeit Einsamkeit und Trauer wahr. Wie kommt das?
Versuchen wir mal die Anderswelt als Spiegel unserer eigenen "Inneren Welt" zu sehen. Wir verbinden uns mit ihr, um mehr über uns und die uns umgebenden zu erfahren. Reisen in die "Anderswelt" sind Visionssuchen und zeigen uns daher immer das, was wir persönlich sehen wollen/ müssen. Die Reise in die Anderswelt ist immer eine Reise in unser Selbst. Wenn wir es möchten so können wir mit Begleitern, Helfern, oder Krafttieren diese Welt erforschen oder allein.
Wesen, denen wir dort begegnen weisen uns auf diverse Dinge hin, wie Wege oder Barieren, die zu überwinden nötig sind. Sie können freundlich sein, aber auch derbe Spiele mit uns treiben. Ich will sie mit Absicht nicht in Gut oder Böse unterteilen, denn jedes Wesen hat seinen Sinn, den wir begreifen müssen.
Die Anderswelt kann uns helfen zu uns zu finden, sie ist aber auch gefährlich, denn zu schnell kann man sich in ihr verlieren. Deshalb ist es grade für Anfänger wichtig mit beiden Beinen im Hier und Jetzt zu stehen.
Das Bild der Hagazussa (Zaunreiterin) trifft die Andersweltreise am besten. Mir einem Bein hier verwurzelt, steht man am Weltenzaun/ Fluss und hebt das andere hinüber auf die andere Seite. So kann man sich leicht mal hierhin und mal dorthin neigen ohne seine Wurzeln hier zu verlieren.
Wie erreicht man nun diese Anderswelt?
Es gibt verschiedenste Möglichkeiten. Zum einen durch Meditation und manche auch mit Hilfe von Drogen. Auf die zweitere Variante (Drogen) möchte ich nicht näher eingehen, denn ich halte sie, obwohl sehr einfach, für die Gefährlichste, denn leicht läßt man sich von den Drogen mitreißen und kann sich in ihnen verlieren, wenn man nicht gefestigt ist.
Bleibt die Möglichkeit der Trance!
Hier gibt es auch wieder diverse Möglichkeiten um zum Ziel zu kommen. Je nach Mensch ist die Methode in Trance zu geraten anders.
Manch einer muss sich hinlegen, der andere steht oder tanzt gar. Einige verwenden Melodien, Trommeln oder sprechen Mantras. Probiert eure eigenen Möglichkeiten aus, um zum Ziel zu kommen.
Auch ob euer Tor zur Anderswelt ein klassisches Tor ist, ein Zaun, ein Fluss oder ein Tunnel/ Höhle ist euch überlassen, denn wichtig ist, daß ihr es frei von Angst und Zwängen durchschreitet. Ihr müsst es aus freiem Willen tun.
Ihr seht schon, das Thema ist sehr mannigfaltig und auch ich kann
euch kein Patentrezept an die Hand geben, um diesen Pfad zu beschreiten.
Ich will es auch nicht, denn jeder Mensch braucht für seine Ziele die eigenen Anreize.
Ich kann euch von meinem Lieblingsweg erzählen, den ich zu Anfang gerne gewählt habe um hinüber zu gehen. Mittlerweile brauche ich ihn nicht mehr, denn es ist für mich nur noch ein Wimpernschlag.
Ich lege mich hin und verbinde mich zuerst mit der Erde, auf der
ich liege. Ich lasse von Händen, Füßen und Steiß Wurzeln in sie hineinwachsen. Dann fühle ich dem Schlag meines Herzens nach und passe meine Atmung ihm an. Zwei Schlag einatmen, zwei Schlag ausatmen...
Dadurch erreiche ich einen inneren Ruhezustand, der es mir ermöglicht mich zu lösen. Ich visualisiere mir meine Lieblingshöhle. Meine liegt im Wald, umsäumt von Efeu. Wenn ich meine Höhle erreicht habe und sie spüren und riechen kann, harre ich eine Weile aus, um wirklich anzukommen. Dann erst gehe ich hinein. Ich folge dem Pfad tiefer hinein und vertraue ihr, denn sie führt mich hinüber. Ich weiß und vertraue darauf, dass es einen Ausgang gibt. Mal erscheint mir der Weg länger, mal kürzer. Mal schreite ich, mal renne ich diesen Pfad voll übermut entlang. Am Ausgang erwartet mich die andere Welt. Mal ist es Tag, mal Nacht, mal Sommer, mal Winter egal... Ich trete hinaus und suche mir meinen Weg, den ich heute gehen will...
Zurück begebe ich mich zum Ausgang dieser Höhle und schlüpfe durch ihn zum Eingang. Dort spüre ich wieder meinen Körper und schließe meine Augen. Der Herzschlag und mein Körper wird mir wieder bewusster. Ich bewege einzelne Glieder und strecke mich. Erst, wenn ich vollkommen wieder angekommen bin, öffne ich meine Augen und stehe wieder voll in diesem Leben.
Es ist wie gesagt ein Weg in die Anderswelt. Aber bekanntlich führen viele Wege nach Rom.
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