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Nachdem wir, Perduil, Katja und ich mit den dazugehörigen
Familien, einen wunderbaren Urlaub in Salzburg verbracht haben,
wo wir eine tolle energiegeladene Tropfsteinhöhle und einen
uralten Burgturm besucht haben, 14 km mit Kindern gelaufen und
nun entspannt wieder zu Hause sind, möchte ich Euch von unserem
Ausklang des Urlaubs berichten, welcher uns nach Oberösterreich
in das kleine Dörfchen Mitterkirchen geführt hat.
Wer schon
dort war, kann sich ja vorstellen, was jetzt kommt:
In dieser Gemeinde befindet sich nämlich das urgeschichtliche
Machlandmuseum – ein Keltendorf der früheren Eisenzeit.
Mitterkirchen ist eine ländliche Marktgemeinde von etwa 1.800
Einwohnern und liegt ca.
40 km stromabwärts von Linz. Es ist eine ruhige Landschaft,
die einerseits gesäumt vom teils urwaldhaften Auwald der Donau,
zur anderen Seite von den ansteigenden Höhen des Mühlviertler
Hügellandes ist.
Vom Fund zum Museumsdorf
In archäologischer Hinsicht war die Marchlandebende noch vor
wenigen Jahren ein weißer Fleck auf der Karte und nichts
deutete darauf hin, dass gerade hier eine bedeutende Fundstelle
der frühen Hallstattzeit ihrer Entdeckung harrte.
Im Frühjahr
1980 entdeckte ein Bauer beim Pflügen auf seinen Äckern
im Weiher Lehen bei Mitterkirchen einen verzierten Bronzering,
einen Armreifen und einige bronzene Schmuckbeschläge. Dadurch
wurden von 1981–1989 umfangreiche systematische Rettungsgrabungen
ausgelöst.Eine großflächige, bäuerliche Siedlungsanlage der
mittleren Jungsteinzeit (aus dem 5. vorchristlichen Jahrtausend),
Reste eines zeitgleichen Bestattungsplatzes, ein bedeutendes früheisenzeitliches
Hügelfeldergrab der Hallstattkultur (aus dem 7. vorchristl.
Jhdt.), Feststellung eines zeitgleichen Siedlungsplatzes und schließlich
die Freilegung mehrerer frühmittelalterlicher Gehöfte
aus dem 8. Jahrhundert.
Das infolge langjähriger maschineller Feldbestellung völlig
eingeebnete hallstattzeitliche Hügelgräberfeld wurde
vollständig freigelegt und ergab mehr als 70 bemerkenswert
ausgestattete Grabkammern.
Endlich, im Winter 1988/89 fiel die Entscheidung für die
Errichtung eines Freilichtmuseums. Baubeginn war Frühjahr
1990. Die Grundkonzeption wurde von der Abteilung Ur- und Frühgeschichte
des oberösterreichischen Landesmuseums erstellt. Als Bauherr
fungierte die Gemeinde Mitterkirchen. Am 5. Mai 1991 wurde dann
das Freilichtmuseum, für die Öffentlichkeit zugänglich
gemacht.
Der Inhalt und die Zielsetzung
dieses Freilichtmuseums
Im Prospekt wird folgendes beschrieben: "... Sie betreten
hier eine nach gegenwärtigem archäologischem Wissensstand
nachgebaute Museumsanlage, die möglicherweise nie vollkommen
fertiggestellt sein wird. Ebenso, wie auch eine urzeitliche
Dorfanlage nie fertig wird, sondern ständig einer Anpassung
an Naturgegebenheiten und wechselnde Notwendigkeiten unterworfen
war.
Es soll ein Ort der Besinnung auf die Ursprünge unserer Kultur,
an eine stimmende und durch Jahrtausende währende Auseinandersetzung
mit der Natur auch an eine maßvolle Erinnerung eines gewissen
Wohlstandes, ohne den eigenen Lebensraum nachhaltig auszubeuten.
Nicht zuletzt soll aber auch eine Stätte der Pflege und Wiederentdeckung
bereits vergessener oder eben in Vergessenheit geratender Arbeits-
und Handwerkstechniken bestehen...“
Des Weiteren spielt die Anlage eine nicht unwesentliche Rolle
als Erprobungs- und Experimentierfeld zum Studium urgeschichtlicher
Arbeitsmethoden für die Archäologie selbst. Es werden
in wechselnder Folge verschiedenste experimentelle Arbeitsprogramme
geboten, an welchen interessierte Besuchergruppen und auch Schulen
praktisch teilnehmen können. Unter anderem Anbau und Verarbeitung
von Urgetreidesorten unter urgeschichtlichen Methoden, bis zum
Brotbacken im nachgebauten Brotbackhaus, originalgetreuer Betrieb
einer „hallstattzeitlichen“ Töpferwerkstatt, diverse
Holz- und Flechtarbeiten, Weben am urzeitlichen Webstuhl, experimentelle
Eisengewinnung aus Feldsteinen, Verarbeitung in der nachgebauten
Schmiede u.v.m.
Das Dorf
Die Besucher empfängt eine von Palisaden- und Flechtzäunen
umgrenzte Dorfanlage – eigentlich das aus unterschiedlichsten
Wohn, Stall- und Wirtschaftsgebäuden bestehende Gehöft
einer bäuerlichen Großfamilie der Hallstattzeit. Es
sind rekonstruierte Nachbauten, die einerseits auf Ausgrabungsbefunden,
andererseits auf der Anwendung uralter Bau – und Handwerkstechniken
beruhen (So werden zB. die Nägel aus Zwetschgenbaumholz handgefertigt.
Die Lehmböden wurden authentisch nachempfunden, unter der
Dachtraufe der urzeitlichen Häuser waren Gruben angelegt,
wo der Lehm mit Getreidegrannen, Rinder- und Pferdedung vermengt „eingesumpft“ wurde,
um schließlich als Estrich, Verputz- oder Ausbesserungsmaterial
zu dienen.)
Am Zugang zum Dorfplatz steht der Brunnen, der ebenso wie das
Backhaus, die Brennöfen, das Webhaus, der Getreidespeicher
dem gemeinsamen Gebrauch diente. Ebenso, wie auch der Viehbestand
(Rinder, Ziegen, Schafe und Schweine) gemeinsam gehüteter
Besitz waren.
Das Gehöft mit seinen wichtigsten Wirtschaftsgebäuden
ist von einer Umzäunung gegen Äcker und Weideflächen
abgetrennt. Durch einen natürlichen Altwassergraben ist – entsprechend
den Ausgrabungsfunden – die Siedlung vom Begräbnisplatz,
der einen eigenen Ritualbereich darstellt, einerseits gegen profanen
Gebrauch geschützt – andererseits durch einen Bohlensteg
verbunden. Bewusst am Rand gehalten wurden besonders jene wirtschafts-
und Werkstättenobjekte, die mit intensivem Feuergebrauch verbunden
waren (so die Schmiede, Brennöfen, das Backhaus u.dgl.)
Egal
in welches Haus man kommt, überall sind kleine Details
und unglaublich liebevolles Handwerk ersichtlich.
Am besten gefallen hat uns die Töpferwerkstätte, wo wir
die Gelegenheit bekamen mit der zu Kelten-Zeiten üblichen
Technologie (es gab damals noch keine schnell drehende Töpferscheibe)
kleine Lehmfiguren- und Gefäße herzustellen. Während
die Kinder den Lehm eher als Ausgangsbasis für Geburtstagskuchen
interpretierten, haben wir Erwachsenen richtigen Ehrgeiz entwickelt
und konnten „kunstvoll“ gestaltete Schalen als Andenken
mit nach Hause nehmen. Die Menschen dort sind auch dermaßen
freundlich, dass es auf jeden Fall einen Besuch wert ist...
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