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Lady Purple: In Österreich und auch in Deutschland gibt es
viele Konkurrenzkämpfe
zwischen Wiccas und Nicht-Wiccas. Manche Wiccas meinen, man kann
sich nur Wicca nennen, wenn man in direkter Linie initiiert ist
und andere wieder sagen: Ich mache das und das und habe dieses
Buch geschrieben, deshalb bin ich Wicca.“ Was denkst Du darüber?
Kate: Ich sage immer, es gibt drei Schritte um eine Hexe zu werden. Der
erste ist der Glaube, der Glaube einer Hexe. Du glaubst an
die Göttin und den Gott. Wenn Du an Göttin und Gott glaubst,
gibt es keinen Grund, warum Du Dich nicht Hexe nennen solltest.
Wie Du dorthin gekommen bist, ganz alleine oder durch eine bestimmte
Tradition, ist egal.
Der zweite Schritt ist, Du musst einen ganzen Jahreskreis erlebt
haben, alle Rituale mitgefeiert, Du musst die Natur beobachtet
haben, wie sie sich verändert, das dauert natürlich ein
Jahr.
Und der dritte Schritt ist, Hexenmagie zu erlernen, zumindest damit
anzufangen, weil man nie ausgelernt sein wird. Man kann nie genug
lernen. Es gibt immer noch etwas mehr, immer noch etwas anderes
herauszufinden.
Das heißt also, ich denke, jeder kann eine Hexe sein, wenn
er das sein will. Will man aber eine wirkliche, gute Hexe sein,
dann muss man sehr hart arbeiten. Da genügt es nicht Bücher
zu lesen. Ich bin sehr gegen Leute, die meinen, man kann keine
richtige Hexe sein, weil man nicht von so und so initiiert wurde.
Weil hier reden wir über Leute, die einer Tradition seit – WOW! – 50
Jahren folgen. Ich meine, das ist ja nicht wirklich eine lange
Zeit. Ich denke, das ist so eine Anschauung, es ist ein bisschen,
wie nur den einzig richtigen Weg gehen, aber „einzig richtige
Wege“ mag ich überhaupt nicht.
Lady Purple: Es
ist so, dass wir oft sagen, dass jede/-r Wicca eine Hexe ist, aber
nicht
jede Hexe Wicca, weil Wicca die Definition einer
speziellen Tradition ist. Was wir aber beobachten ist, dass viele
junge Leute nur ein paar Bücher lesen und dann entscheiden,
dass sie jetzt Wicca sind, weil Wicca jetzt auch für Hexentum
steht. Aber Wiccas sehen das anders. Darum geht es in den Streits
zwischen diesen Gruppen. Ist das in England auch so?
Kate: Das ist ein schrecklich kompliziertes
Modell. Als ich jung war, gab es die Frage zwischen Substantiv
und Adjektiv. Ich bin
eine
Witch oder eine Wiccan Hohepriesterin. Wiccan ist das Adjectiv,
nicht das Substantiv. “Ich bin eine Wiccan” ist kein
vollständiger Satz. Naja, das hat sich aber langsam geändert.
Manche Leute denken, dass es Witches und Wiccans gibt, und dass
das zwei unterschiedliche Dinge sind. Ich verwende das Wort „Wiccan“ eher
nicht, weil ich das kontraproduktiv finde. Weil damit eine Diskussion
in Gang kommt, was Wicca ist und was der Unterschied zwischen Wicca
und Hexentum ist. Das sind keine unterschiedlichen Sachen.
Die Überschneidungen sind so enorm, dass man nicht sagen kann,
das ist das eine und das das andere und das sind zwei komplett
getrennte Wege.
Ich finde das ist schade, dass irgendjemand aus der Craft behauptet „Meines
ist besser als Deines. Ich mache es so und das ist richtig, Du
machst es so, also muss es falsch sein.“ Wir sollten wirklich
zusammenhalten.
Lady Purple: Kannst Du sagen,
was Wicca oder das Hexentum im Allgemeinen den Leuten zu bieten
hat? Was meinst Du?
Kate: Ich finde, was es bringt und verstärkt
ist Selbstverantwortung und als Folge daraus Selbstkontrolle und
das gibt Dir viel Macht.
Weil wenn Du anfängst zu verstehen wer Du bist und wie Du
arbeitest, dann beginnst Du zu verstehen wie die Menschen funktionieren.
Wenn Du etwas verstehst, dann beginnen die Bereiche in Deinem
Leben einfacher zu werden, weil Du aufhörst zu urteilen, Du
nicht mehr sagst, diese Person ist nur schlecht und diese nur gut.
Du beginnst Menschen als Individuen zu sehen und das bringt Toleranz.
Und etwas, was diese Welt wirklich mehr brauchen könnte ist
diese Toleranz.
Lady Purple: Was sind
Deine ethischen, moralischen Aspekte des Hexentums? Wenn es welche
gibt?
Kate: Das ist die Wiccan Rede – “Tu’ was
Du willst, aber schade niemandem”. Aber es muss heißen „schade
NIEMANDEM“, und das bedeutet alle Menschen, Du selbst, das
Land, die Natur. Es ist unmöglich das zu schaffen, aber es
ist ein sehr wertvolles Ziel, nach dem man streben sollte. Ich
glaube wenn man den alten Weg geht, dann gibt Dir das viel worauf
man
hinarbeiten kann, viele Ziele. Aber jeder muss für
sich selbst entscheiden, was richtig und was falsch für einen
selbst ist – Du weißt schon, ob man heiraten will,
oder mit einem Partner zusammenleben oder alleine leben. Das sind
persönliche Entscheidungen. Sie sollten getroffen werden mit
Rücksicht auf die Bedürfnisse des Individuums und nicht
auf das, was die Umwelt für richtig hält.
Lady Purple: Du
stehst ja sehr in der Öffentlichkeit und ich bin sicher,
nach all Deinen Büchern fragen Dich viele junge Hexen oder
Leute, die gerne Hexen werden wollen, viele Fragen. Was suchen
die meisten? Was ist die häufigste Frage?
Kate: Die häufigste Frage ist, und darüber bin ich sehr
froh: „Wie kann ich mehr erfahren?“ Das ist beruhigend,
weil das heißt, dass die Leute nicht glauben, sie lesen
ein Buch, leben dann für immer als Hexe in einem Garten
und verwandeln ihre Lehrer in Kröten. Es ist eigentlich
fast immer „Wie
kann ich mehr erfahren?“ Aber natürlich gibt es auch
die anderen Fragen: „Ich brauche einen Liebeszauber“.
Ich habe eine Email von einem jungen Mädchen bekommen „Ich
brauche einen Liebeszauber“. Und ich habe ihr zurück
geschrieben, dass ich ihr davon abrate. Sie hat gesagt: „Ist
mir egal ich brauche einen Liebeszauber!“ Da habe ich ihr
zurück geschrieben „Nein, du brauchst Manieren! Versuch’ es
das nächste Mal mit „Bitte“ und „Danke“.
Aber die meisten sind wirkliche Frage, die nehmen das, was ich
sage oder jemand anderes nicht einfach für bare Münze.
Und das ist großartig! Das ist genau das was wir brauchen – Hexen,
die denken!
Lady Purple: Denkst
Du über Dich selbst, dass Du ein Sprecher bist
für Hexen oder einen Teil der Hexen? Siehst Du Dich selbst
so?
Kate: Ich habe akzeptiert, dass die Leute mich so sehen.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich in der Rolle immer wohl fühle,
weil ich nur ich bin. Das ist so wie am Witchfest. Es ist toll,
schöne Kleider zu tragen und sich mit allen zu treffen und
alle sind schön hergerichtet und so. Aber Du weißt,
dass die richtige Kate West abgenützte Jeans, ein T-Shirt
und erdige Schuhe trägt und im Garten in der Erde wühlt.
Ich gewöhne mich also an die Idee, aber es ist noch immer
seltsam für mich.
Lady Purple: Alle
Deine Bücher heißen “The real witches
handbook”, “The real …..”. Warum denkst
Du, dass das das wirkliche ist.
Kate: Es gibt ziemlich viele Einflüsse auf den Titel eines
Buches, das hat mich am Anfang, als ich zu schreiben begann ganz
schön
schockiert. Verleger haben ein großes Mitspracherecht, was
den Titel eines Buches betrifft. Wir haben sehr lange diskutiert
und sie hatten viele eigenartige Ideen, wir haben uns dann auf „The
real witches“ geeinigt, weil es das Hexentum von wirklichen
Leuten beschreibt. Es geht nicht um Leute, die finanziell unabhängig
sind, die all ihre Zeit damit verbringen sich verwöhnen zu
lassen und die einen Tempel im Gästezimmer haben. Hier geht
es um das Hexentum von Leuten, die einkaufen müssen und abwaschen,
ihren Kindern die Nasen putzen und das Katzenklo säubern.
Das ist das Hexentum von wirklichen Leuten, die im wirklichen Leben
stehen, mit stressigen Leben und echten Problemen. Das heißt
nicht, dass diese Art von Hexentum besser ist als andere. Der „real
Witch“ Titel ist hängengeblieben und der Verleger bleibt
dabei und ich finde es auch gut, deswegen.
Lady Purple: Welches
Deiner Bücher magst Du am liebsten?
Kate: Schwierige Frage! Ich mag sie alle aus verschiedenen Gründen.
Das, das ich am öftesten erwähne ist “The real
witches kitchen”.
Bei der Zusammenstellung von diesem Buch habe ich viele Nachforschungen
angestellt bei älteren Verwandten, älteren Freunden und älteren
Verwandten von anderen Hexen. So habe ich viel mündlich überliefertes
Wissen bekommen. Den Aspekt mag ich sehr. Und was mir auch gefallen
hat, war all die Leute kennen zu lernen während ich Material
gesammelt habe. Die anderen Bücher mag ich aus anderen Gründen.
Ich mag „The Coven“ weil ich den Humor mag. Ich mag “The
Handbook“ weil es mir viele Antworten erspart hat, wenn man
mich gefragt hat “ Erzähl mir über Hexen“.
Ich habe es einfach auf den Tisch geworfen und gesagt: „Geh’ und lies es!“ Alle haben eine spezielle Bedeutung für
mich, aber „ The real witches kitchen“ verwende ich
am meisten.
Lady Purple: Welches
Buch erscheint als nächstes?
Kate: Das nächste Buch ist “The real witches garden”,
was irgendwie am schwersten zu schreiben war, weil ich gerade umgezogen
bin und zum ersten Mal in ungefähr 10 Jahren habe ich einen
echten Garten, in einer schönen Größe. Es war im
Frühling und im Sommer und der Garten war vollkommen ungepflegt
und hat nach Arbeit geschrieen, und ich war drinnen eingesperrt,
habe aus dem Fenster geschaut und darüber geschrieben, was
Du in Deinem Garten machen kannst, statt draußen zu sein
und es in meinem Garten zu tun. Das war also wirklich schwierig
zu schreiben – ich war auf der falschen Seite der Mauer und
wollte lieber draußen sein.
Lady Purple: Die Heiden
hier in UK, ist das eine freundliche Gemeinschaft? Sind sie aufgesplittert?
Gibt
es eine Zusammenarbeit?
Kate: Im Großen und Ganzen ist die Gemeinschaft
der heidnischen Gruppen hier freundlich. Es gibt aber immer Leute,
denen es Spaß macht… ich
sage nicht, dass sie gerne Ärger machen, aber es macht ihnen
Spaß Diskussionen zu fördern und sie verursachen Streit.
Es gibt immer Leute, die mit anderen nicht zu recht kommen. Genauso
unter den Heiden wie überall sonst. Aber im Großen und
Ganzen haben wir eine gute Gemeinschaft in U.K und auch in Europa.
Ich denke, bis wir alle tolerant gegenüber allen sind, das
ist noch ein langer Weg.
Lady Purple: Das
Problem ist, als ich in Österreich angefangen habe
Leute zu vernetzen, eine heidnische Gemeinschaft zu bilden, da
war es das schlimmste für mich, wenn ich mich an bekannte
Leute aus Österreich gewandt habe und alles was ich retour
bekommen habe, war eine Liste, wie viel ein Workshop kosten würde.
Das hat mich wirklich wütend gemacht, weil es so schwer ist,
so genannte bekannte Persönlichkeiten für Non-Profit
Events zu bekommen. Aber ich glaube, dass es notwendig ist, die
Leute zu informieren, wer wir sind und was wir tun. Und darum geht
es mir und ich versuche zu vernetzen, in Österreich und Deutschland
vor allem, aber auch weltweit. Deshalb bin ich auch hier am Witchfest.
Aber ich verstehe diese bekannten Persönlichkeiten nicht,
die viel Geld verdienen durch ihre Workshops, Auftritte, ihre Bücher
oder was auch immer, die nicht bereit sind eine halbe Stunde gratis
zu sprechen. Das kann ich nicht verstehen. Aber ich bin nicht sicher,
dass das ein Merkmal der Heidenszene ist, oder vielleicht nur ein
Merkmal unserer heutigen Gesellschaft allgemein.
Kate: Ich glaube, dass ist ein Bestandteil des Lebens. Ich meine, ich
verkaufe viele Bücher. Aber ich verdiene damit nicht genug
Geld um alleine davon zu leben, schon gar nicht meine Familie zu
erhalten. Ich habe viele Non-Profit Sachen gemacht, aber irgendwann
kommt ein Punkt im Jahr, an dem du dir sagst:“ Okay, sie
zahlen zwar meine Reise und Unterkunft, aber ich bekomme kein Honorar.“ Aber
ich muss eine Tierpension zahlen für meinen Hund während
ich weg bin. Ich muss mich um einen Babysitter für meinen
Sohn kümmern und ich muss ihm Bestechungsgeschenke machen,
damit er sich gut benimmt. Und, wenn ich unterwegs bin kann ich
gleichzeitig kein Geld mit etwas anderem verdienen. Und wenn man
mehr in der Öffentlichkeit steht, früher oder später
kommen wir an eine Grenze, wo man sagen muss: “Ich kann nur
eine bestimmte Menge an Non-Profit Dingen pro Jahr machen.“ Und
dann muss man sagen: “Vielleicht nächstes Jahr, vielleicht
ein anderes Mal.“ Weil es einfach nicht genug Tage im Jahr
gibt um alles zu machen. Und eines, was ich nicht möchte ist,
dass der Coven darunter leidet, weil dass heißt, dass es
sich in den persönlichen Bereich negativ auswirkt. Es ist
also ein Balanceakt und manche schaffen es und manche nicht.
Lady Purple: Es
gab eine Frage aus Österreich: Arbeitest Du mir einem
speziellen Pantheon von Göttern oder Göttinnen oder nimmst
Du einfach die, die Du gerade möchtest? Oder gibt es eine
spezielle Göttin, mit der Du am liebsten arbeitest?
Kate: Eine Schutzgöttin?
Lady Purple: Ja.
Kate: Für den Coven und den Tochtercoven ist das Hekate. Vor
allem wegen ihren Eigenschaften, die griechischen Einflüsse
als Göttin der Reisenden, die Göttin der Besucher, gleichzeitig
aber auch die Göttin des Herdes und des Heimes. Sie verbindet
alle Einflüsse meines Lebens sehr gut, weil wir viel reisen
und ein Zuhause haben. Deshalb ist sie, wenn Du willst, unsere
Schutzgöttin. Aber wenn wir arbeiten, sind wir ziemlich eklektisch.
Hier arbeiten wir mit Götteraspekten, die am besten zu dem
passen, was wir brauchen oder was den Leuten am besten liegt für
die wir arbeiten. Das kann also sehr eklektisch sein. Wir sind
Individualisten.
Lady Purple: Was
sind Deine Zukunftspläne im Moment?
Kate: Hmm, ich hoffe, dass ich mich mit den Verlegern bald einige,
was das nächste Buch sein wird. Ich bin erst vor kurzem
in den Elternverein von Talis Schule gewählt worden. Also
werde ich in der lokalen Gemeinde aktiv. Und die Schule weiß,
dass ich – sie wissen wer ich bin, dass ich Bücher über
Hexen schreibe und sie akzeptieren das. Auf diesem Weg hoffe
ich, das Profil von Hexen auf praktischem Weg zu verbessern.
Du kannst weltweit Artikeln schreiben, aber es ist viel besser,
wenn Dich jemand dabei sieht, wie Du etwas Positives zum Gemeinwohl
machst. Das sind so ungefähr die Pläne für das
nächste Jahr. Tali ist jetzt auch in einem Alter, in dem
er ein stabiles zu Hause braucht, aber dafür weniger Betreuung
im Alltag. Er braucht nur jemanden, der zu Hause ist. Deswegen
versuche ich meine Reisen möglichst einzuschränken.
Lady Purple: Wie alt ist er?
Kate: Er ist jetzt sechs. Also, ja, er ist sich bewusst, was um
ihn herum passiert. Als er drei war konnte ich ihn ins Auto setzen
und auf eine Konferenz fahren. Jetzt ist er sechs. Du weißt,
das ist ein langer Tag, wenn Du sechs bist und es gibt keinen
Fernseher, kein Video, kein Spielzeug und Du bist irgendwo eingesperrt.
Deshalb muss ich aufpassen eine gute Balance zwischen Reisen
und Zeit zu Hause zu finden, vielleicht ein bisschen mehr als
in den letzten Jahren.
Lady Purple: Die
letzte schwere Frage ist: Wenn Du irgendetwas in der Welt ändern
könntest, was wäre das?
Kate: Die Liste ist
so lang von Dingen, die ich auf dieser Welt gerne ändern
würde. Es ist ein bisschen eine Schönheitswettbewerbfrage,
oder? Weil natürlich wünsche ich mir Weltfrieden und
keinen Hunger mehr. Wenn es aber ein Ding gäbe, dass ich ändern
könnte, würde ich meinen Zauberstab schwingen und Toleranz
schaffen. Weil das ist, ich glaube, für mich der Schlüssel
damit die Welt besser funktioniert.
Lady Purple: Okay,
vielen Dank für das Interview!
Kate: Danke schön.
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