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Lady Purple:
In welcher Tradition lebst Du?
Kate: In unserer Craft, unserem Coven, leben wir nach einer Kombination
aus traditionellem Alexandrian Wicca und freifliegenden Praktiken,
die Tradition der Hedge Witch. Ich lebe am Land und bin umgeben
von Pflanzen und den Dingen, die einen Landmenschen prägen,
daher lebe ich als Hedge Witch.
Lady Purple: Also
auf der einen Seite alte Traditionen und auf der anderen Seite
Wicca. Warum hast Du Dich für Sanders entschieden
und nicht für Gardner? Worin besteht für Dich der Unterschied?
Kate:
Ich habe eigentlich mit Gardner begonnen und später
erst begonnen mit Sanders Wicca zu arbeiten. Ich finde das System
nach Gardner zu einschränkend. Es gibt mir nicht genug Freiheiten
in einem Coven um Änderungen und Anpassungen zu machen. Alles
ist zu sehr vorgegeben. Ich mag Flexibilität, dass Rituale
verändert werden können und auch die ausführenden
Leute und dass neue Leute auch Ideen einbringen können. Aber
das ist meine persönliche Wahl.
Lady Purple: Wann
hast Du mit Magie oder der Craft begonnen? Oder was bedeutet
das Leben mit Magie und der Craft für Dich?
Kate:
Als Teenager haben wir in der Schule Religionsvergleiche gemacht.
Gleichzeitig ging mein Bruder auf eine theologische Hochschule
um Priester zu werden. Ich wurde also mit vielen verschiedenen
Glaubenssystemen und –richtungen konfrontiert, aber keines
gefiel mir. Keines war für mich das richtige, keines schien
mir wahr. Zu diesem Zeitpunkt lebte ich eigentlich schon im Einklang
mit den Jahreszeiten und dem Mond. Aber erst viel später,
so Mitte bis Ende zwanzig, erfuhr ich, dass das „Witchcraft“ heißt.
Also könnte man sagen, ich habe die Craft gefunden, bevor
ich den Namen wusste.
Lady Purple: Kannst
Du uns sagen, was die Grundsätze Deiner Art von
Craft oder Wicca sind?
Kate: Ich glaube
der Hauptgrundsatz der Craft ist der Glaube, dass das Göttliche männlich und weiblich ist. Es ist
im Gleichgewicht und dieses Gleichgewicht sollten wir zu erreichen
versuchen. Ich
bin der festen Überzeugung, dass wir die Natur respektieren
und die Jahreszyklen in unser Leben und unser Arbeiten integrieren
sollen. Wir sollten nur sehr behutsam hier auf der Erde gehen.
Und ich glaube fest daran, dass wir Hexen eine Familie sind, eine
weitreichende Familie und Gemeinschaft, die füreinander sorgt
und aufeinander aufpassen soll. Das ist eines der schönen
Dinge der Craft, dass wir das tun.
Lady Purple: Hast
Du eine Definition von Magie? Was ist Magie für Dich?
Kate:
Ich denke, ich halte mich an die traditionelle Definition, dass
Magie die Fähigkeit ist, durch die Kraft der Gedanken Änderungen
zu bewirken. Aber ich denke auch, dass Magie innerhalb des natürlichen
Systems arbeitet. Dass es den Austausch von Energien gibt und Magie
sich in der realen Welt spiegelt. Das ist der Grund, warum Geldmagie
nicht wirkt, weil es kein wirkliches Geld gibt, weil Geld eine
Erfindung ist. Wenn Magie also wirklich funktionieren soll, müssen
diese Gleichgewichte berücksichtigt werden, diese Kontrollen
muss es geben.
Lady Purple: Wie beeinflusst
Magie Dein Leben? Wo ist die Magie in Deinem Alltag?
Kate:
Magie ist allgegenwärtig. Ich glaube, Magie ist etwas,
das wir andauernd benutzen. Alles, vom Wunschparkplatz bis zu den
wichtigsten Dingen, wie Freunde oder Familie zu heilen. Anfragen über
Magie kommen aus der ganzen Welt, durch das Internet. Es ist etwas,
das täglich praktiziert wird, das Dein Leben verbessert. Aber
ich glaube, es ist auch wichtig zu wissen, dass Magie nicht das
einzige ist, dass es viele Systeme gibt, mit denen man arbeiten
kann. Wenn ich an einem Buch schreibe und einen Abgabetermin einhalten
muss, werden mir alle Zaubersprüche der Welt nicht helfen,
wenn ich nicht am Computer sitze und an dem Buch schreibe. Aber
Magie ist immer da und ich kann sie jederzeit nutzen.
Lady Purple: Was
denkst Du über Hexen, die mit Magie Geld verdienen,
weil sie für andere Leute magisch arbeiten, zum Beispiel für
Liebes-oder Geldzauber?
Kate: Ich denke nicht, dass man
für Magie Geld verlangen sollte,
aber ich denke auch nicht, dass man einen Verlust machen soll.
Schließlich muss jede Hexe leben und etwas zu essen am Tisch
haben. Also realistische, angemessene Beträge zu verlangen,
die Material- und Zeitkosten abdecken finde ich in Ordnung.
Leute, die verlangen: ”Sende mir Geld und ich schicke Dir
einen Liebeszauber.”, das sind Abzocker, die die Craft zu
Geld machen. Die meisten von ihnen, denke ich, sind einfach Geschäftsleute.
Die Hexenkunst interessiert sie überhaupt nicht.
Lady Purple:: Ja,
aber es gibt ja das Threefold Law bei den Hexen. Deshalb denke
ich mir
oft: „Okay, sie machen Liebes- und Geldzauber
für viel Geld. Für mich denke ich, es wird irgendwann
auf sie zurückkommen und sie dann verletzen oder so. Aber
ich kenne viele Leute, die reich und in Österreich berühmt
sind, die ein schönes Leben haben obwohl sie so arbeiten.
Kate: Schon, aber reich und berühmt
ist nicht alles. Wie du gesagt hast, das Threefold Law kommt irgendwie
zu ihnen zurück.
Es wird schon Leute geben, die viel Geld damit machen, aber das
bedeutet
nicht unbedingt, dass sie glücklich sind. Ich denke nicht,
dass das so erfüllend ist.
Lady Purple: Praktizierst
Du spezielle magische Techniken? So wie manche Leute immer nur
Kerzenmagie oder andere nur Kräutermagie machen.
Kate:
Nein, da bin ich eklektischer, zu Hause verwenden wir oft Kerzenmagie,
vor allem für Heilzauber – körperlich, geistig,
Freunde, Tiere, Pflanzen. Wenn es körperliche Beschwerden
innerhalb der Familie sind wird etwas in der Küche gebraut,
weil ich dort zu Hause bin und es zusammenstellen kann. Wenn es
um nicht so enge Freunde geht, vor allem bei Selbstbewusstseinszauber
oder Hilfe beim Lernen oder bei Prüfungen, dann machen wir
einen Steinzauber, weil ich dann etwas zum Angreifen habe, dass
ich ihnen geben kann. Ich verwende also verschiedene Techniken.
Lady Purple: Wie beeinflusst
Dein Leben als Hexe Deinen Alltag?
Kate: Das Leben als Hexe ist mit dem Alltag so verknüpft,
dass eine Trennung eigentlich nicht möglich ist. Es ist immer
im Hinterkopf. Weil ich eine sehr bekannte Hexe bin, bin ich mir
immer
bewusst, dass ich beobachtet werde. Ich muss vorsichtig sein, was
ich tue und was ich sage. Wenn ich auf eine Party gehe um mich
zu amüsieren, muss ich vorsichtig sein, mit wem ich das tue.
Ich kann nicht einfach meine Beherrschung verlieren, nicht einfach
etwas tun ohne nachzudenken. Das würde ein schlechtes Bild
auf die ganze Craft werfen, nicht nur auf mich. Aber sonst ist
es eine Bereicherung, wie wenn man der Göttin für eine
schöne klare Nacht mit einem leuchtenden Mond dankt, wenn
man Kräuter sammelt. Bei Arbeiten im Haushalt, beim Schreiben,
sogar beim Autowaschen, gibt es immer ein bisschen – Du weißt
schon – die Göttin ist immer für mich da. Sie unterstützt
mich. Und wenn es einmal holprig wird, dann trägt sie mich.
Lady Purple: Arbeitest
Du in einem Coven, mit einer Gruppe oder alleine?
Kate: Zu dem Zeitpunkt als wir nach Norfolk gezogen sind, hatte
mehr als die Hälfte des Hekate-Covens bereits den dritten
Grad erreicht und war bereit einen eigenen Coven zu gründen.
Also haben wir den Coven übergeben – er wurde zum “Serious
daughter” Coven. In Norfolk haben wir jetzt keinen Coven.
Aber für große Festivals oder Treffen versammeln wir
die Coven aus ganz England und kommen so zusammen.
Lady Purple: Gibt
es für Dich einen Lieblingssabbat? Und wenn ja – warum?
Kate: Ich würde sagen mein Lieblingsfest ist Beltane. Aber
das hat damit zu tun, dass Steve und ich zu Beltane geheiratet
haben.
Ich mag Samhain als Sabbat, aber es bedeutet auch viel Arbeit,
wegen den Medien und dem ganzen Rummel. Deswegen kommen wir an
Samhain meistens nicht so zum Feiern wie sonst – das ist
mehr so im Vorübergehen. Aber ich mag alle Sabbats. Alle aus
einem anderen Grund. Ich mag sie genauso wie die Rituale. Wenn
man tagsüber hinausgeht und den Wechsel der Jahreszeiten beobachtet.
Oder den Fernseher abdreht und sagt“ Okay, Imbolc steht vor
der Tür, lasst uns schauen, ob wir schon die Erde im Feld
sehen können“. Das heißt, alle sind besonders.
Aber ich denke Beltane ist mir am liebsten, aus persönlichen
Gründen.
Lady Purple: Lebst Du
in einer Stadt, einem Dorf oder am Land?
Kate: Wir leben wirklich in totaler Einöde!
Lady Purple: Okay.
Das Heidentum ist eine Religion die stark mit der Natur verbunden
ist.
Für uns, in der Stadt, ist das manchmal schwierig,
in die Natur zu kommen, in unseren kleinen Wohnungen, umgeben von
Nachbarn.
Aber ich denke, das ist für mich einer der wichtigsten Punkte,
in die Natur hinauszugehen und zu beobachten was sich da tut und
damit verbunden sein.
Mich interessiert, was Du von Wiccas oder Heiden denkst, die ihr
Rituale zu Hause in ihren Wohnungen machen?
Kate: Ich sehe darin kein Problem. Ich habe auch
gearbeitet und in sehr ungesunden Umgebungen gelebt mit Schwerindustrie.
Jetzt
habe
ich Glück. Ich lebe irgendwo im Nirgendwo mit vielen Feldern
und habe die Natur vor meiner Haustür. Aber selbst in der
Stadt, kann man immer spazieren gehen. Es gibt immer irgendwo einen
Park. Man kann sich immer irgendwo blühende Blumen anschauen.
Auch in der kleinsten Wohnung, geht sich mindestens ein Blumentopf
am Fensterbrett aus. Es gibt keinen Grund um die Beziehung zur
Natur zu verlieren. Es ist zwar leichter am Land den Kontakt mit
der Natur zu haben, aber in der Stadt ist es viel einfacher einen
Coven zu organisieren. Einfach weil die Menschen näher beieinander
wohnen und die Strassen besser sind. Wo wir jetzt wohnen, kann
es bis zu zwei Stunden dauern um 100 Meilen zu fahren. Und oft
sind es 100 Meilen bis zu den anderen Covenmitgliedern. Deshalb
ist es schwieriger alle zusammen zu bekommen, aber wenn man dann
zusammen kommt, hat man den Vorteil, dass man hinausgehen kann
und die Elemente spüren.
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