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Ein Tag in Neunkirchen
Es war an einem dieser verzauberten Tage im Spätherbst. Einer von diesen, an denen alles, was dich umgibt magisch erscheint. Der Tag begann mit einer Reise ins Ungewisse, da ich mit meiner Schwester und einem Freund nach Neunkirchen gefahren bin, ein Ort, den ich bis dahin noch nie besucht hatte.

Die Sonne zeigte sich noch von ihrer starken und kräftigen Seite und brannte vom Himmel herab. Der Himmel selber erstrahlte in den schönsten Blautönen und die Wolken, die sich in den verschiedensten Mustern und Gebilden am Himmelszelt abzeichneten, waren wunderbar weiß, man konnte der Phantasie freien Lauf lassen.

Neunkirchen ist ein wunderbares kleines Dorf 15 km von Wiener Neustadt entfernt. Es gibt einen Park, der von einem Fluss umrandet wird und in diesem Erholungsort gibt es einen sehr schönen Baumwanderweg, ein kleines angelegtes Biotop mit Schilf und Seerosen, Spielplätze für Kinder und Hunde, viele Ruhezonen und versteckte Winkel. Man gelangt über eine kleine Brücke, die über den Fluss geht, zu diesem wirklich schönen Ort der Kraft und Ruhe.
Das Dorf selber ist um die Kirche gebaut, die sich im Zentrum befindet und viele kleine Häuser lassen diesen Flecken Erde idyllisch erscheinen. Auf manchen Häusern und Toren erkennt man noch alte Sonnensymbole und andere magische Zeichen.
Wir beschlossen eine Wanderung zu machen zu der etwas weiter außerhalb liegenden Kirche mit Friedhof, die uns Neo gerne zeigen wollte, weil er hier aufgewachsen war.
Vorbei an den reifen Kukuruz- und Sonnenblumenfeldern führte der Weg zu der kleinen Kirche, die sich auf einer Anhöhe befand. Ich steckte einen zu Boden gefallenen Kukuruz ein und nahm ihn mit. Neo brachte uns eine Sonnenblume aus dem Sonnenblumenfeld und wir begannen die Sonnenblumenkerne aus der Blüte zu picken und wir fingen an an den wohlschmeckenden Kernen zu knabbern, während wir unseren Spaziergang fortsetzten.
Nach den Feldern muss man auch ein kurzes Stück durch einen Wald gehen, oben angelangt, bestaunten wir die Kirche und die wunderbare Aussicht über die Landschaft.
Es ging auf Abend zu und wir genossen den herrlichen Sonnenuntergang der den Himmel in blauen, grünen, roten und orangen Tönen erstrahlen ließ und die Wolken nahmen diese Färbung an. Fast konnte man sich vorstellen, wie die Engel auf den Wolken saßen und ihren Spaß hatten. Das war ein einmaliges Bild, der Himmel erstrahlte in einem Meer von Rot und Blau, und die Wolken trieben auf ihm wie Wellen dahin.
Wir machten es uns hinter der Kirche in der Nähe von einem alten Kultplatz gemütlich, den man dort bei Ausgrabungen entdeckt hatte und verweilten dort eine Weile um die friedvolle Atmosphäre zu genießen.
Nach einiger Zeit überfiel uns aber die Neugierde und wir wollten uns die Kirche mal näher ansehen und entdeckten genau auf der Rückseite der Kirche, wo eigentlich im Innenraum der Altar stehen müsste, außen eine Frauendarstellung auf einem Sockel, diese Göttin hatte keinen Namen, sie kniete, hatte ihre Augen geschlossen, und ihre Arme mit der Handfläche nach außen an den Körper gelegt. Sie sah aus, als würde sie schlafen, so ruhig und friedvoll war ihre Ausstrahlung.
Auf uns machte sie aber auch einen traurigen und einsamen Eindruck, so verbrachten wir schweigend einige Zeit in ihrer Nähe und versuchten mit ihr zu kommunizieren.
Für mich sah sie aus wie eine Heilige, die gleich die Augen öffnen und sprechen würde.
In vollkommenem Vertrauen und erfüllt von der Liebe zu Ihr, hatte ich das Bedürfnis ihr etwas von den Kernen der Sonnenblume und ein paar Kukuruzkerne da zu lassen, auch sammelte ich ein paar Blumen und reichte sie ihr. Ich war ein bisschen traurig darüber, dass man ihr anscheinend so wenig Beachtung schenkte, denn gepflegt sah ihre Umgebung gar nicht aus, es ist halt eben einfach nur die Rückseite dieser Kirche und deswegen ist dort auch alles ein wenig verwachsen und wild.

In der Kirche fand gerade eine Chorprobe statt, so dass wir nicht stören wollten, und nur außen herum schlichen, die Lampen die diesen heiligen Ort beleuchteten und die ringsum stehenden Bäume, projizierten einmalige Muster und Formen auf die Kirchenwand.
Und wir glaubten oben am Kirchturm den Gehörnten und eine Frau wieder erkennen zu können, so wie wir auch einen Mann an der Wand erkannten, der im Wald ein Holzstück trug und zwei Kinder sahen ihm dabei zu.
Wir tauchten ganz tief in diesen Ort ein; und fühlten die Kraft und die Liebe, die von ihm ausging.

Danach wanderten wir noch bei klarem Sternenhimmel zu dem Friedhof hinüber und bewunderten die vom Kerzenschein erleuchteten Gräber, dort genossen wir die Stille und spürten die Ehrfurcht vor dem Tod.
Neo erzählte, dass er früher mit seinen Freunden öfters an diesem Friedhof übernachtet hatte und er gerne mit den Toten sprach, auch wenn ihn seine Freunde für verrückt erklärten. „Das war aber, bevor sie den Friedhof umgebaut hatten,“ sprach er.

Da es schön langsam kalt wurde und spät auch, machten wir uns an den Rückweg, in völliger Dunkelheit, den klaren Sternenhimmel über uns; und mit dem Segen der Götter gingen wir wieder durch den Wald, vorbei an den Feldern zurück in das Dorf, wo wir uns in einem Lokal mit einem Kaffee wieder aufwärmten, in uns die erlebten Augenblicke noch einmal vertieften, und über das soeben Erfahrene sprachen.
Danach traten wir glücklich und erfüllt unsere Heimreise an.


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