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Zusammen
mit zwei Bekannten steht heute das Museum am Programm. Ein wenig
Kultur
muss ja schon sein, wenn man drei Wochen in Brüssel verbringt
und zu Hause nimmt man sich selten Zeit - fürs Museum - viel
zu selten!
Zuerst begegnen wir dem 19.
Jhd.
Maler wie Monet oder Gauguin kennt man ja noch aus der Schule aber
die haben mich zugegebener Massen auch damals schon nicht interessiert.
Doch gleich ums Eck von Gauguin treffe ich auf Bilder die mich magisch
anziehen. Bilder die voll sind mit Symbolen die mir nur allzu bekannt
sind. Unter der Rubrik "Symbolism and Ensor" finde ich
für mich ungeahnte Grössen. Besonders Jean Delville (1867-1953)
und Paul Delvaux (1897-1994) haben es mir angetan. Delvill`s wunderbares
Gemälde in roten Farben gehalten, schattenhafte bizarre Welten,
Frauen die einem übermächtigen rothaarigen Mann zu Füssen
liegen, sich rekeln und ihre Leiber vereinen, nackt und sanft und
doch fordernd. Dieses Bild ist Hingabe und Erotik gepaart mit mystischem
Flair. Der Mann mit Armen wie eine Krake umschliesst sie, verführt
sie, er ist der Sturm und der Gebieter. Und wie bei vielen Gemälden
hier bei denen ich die Männer sofort als Lord, als Pan, als
den Horned Hunter, als GreenMan erkenne und fühle steht darunter
eine uns bekannte Beschreibung vieler heidnischer Dinge. Delvilles
Gemälde heisst "Der Schatten von Satan". (seufz)
Auch ein anderes Bild hat es mir angetan, es ist von Delvaux. Es
ist das Bild einer Frau mit harten Zügen, aufstehenden knallroten
Haaren, ihre Augen wie in Trance verdreht, in der Hand hält
sie ein Buch. Es ist ein schwarzes Buch, ein dickes altes schwarzes
Buch auf dem nur ein einziges Symbol prangt. Es ist ein Dreieck
- ein Symbol für vieles - Symbol der Elemente Feuer und Luft...
Und natürlich steigt in mir die Assoziation eines "Book
of Shadows" in mir hoch. Diese Frau - sie heisst Lady Merrill
ist definitiv für mich eine Magierin. Ich weiss nicht warum,
aber das ist sie einfach für mich - unausweichlich. Und auch
in anderen Bildern von Delvaux finden sich magische Elemente und
immer wieder begegnet uns hier die Auseinandersetzung mit dem Tod.
Aber nicht als Gefahr. Es ist fast wie ein Spiel, oder wie ein Normalzustand.
Man lässt Tote unter den Lebenden wandeln, mit ihnen existieren.
Tote die einem gekreuzigten huldigen, wie in seinem Bild "Die
Kreuzigung".
Ein
Stück weiter trifft man auf ein wundervolles Bild von Khnopff,
das einen elfenartigen Mann zeigt mit einem geflügelten Stab
in der Hand, in der Umarmung mit einer Gestaltenwandlerin, einer
Frau als Gepard.
Und in einem anderen Eck findet man einige Metallgravuren mit dem
Titel "Christus am Tor der Hölle". Und diese Gravur
zeigt so deutlich was es ist. Für mich ist - überall hier
war es so. Wunderschöne heidnische Gemälde die in eine
christliche Hülle gesteckt wurden, eingezwängt wurden
in das enge christliche Korsett der religiösen Sprache dieser
Zeit. All die wunderschönen Männer hier sind als Satan
oder Dämonen oder Teufel betitelt.
Auf
der Gravur sieht man Christus verhüllt in einer Robe, furchtsam
hinauf blickend. Neben ihm einige nackte animalische Männer,
mit phallischen Stäben auf denen Penise prangen. Einige von
ihnen haben eine Errektion, sie wirken wild und stark. Zwischen
ihnen ein zarter völlig verhüllter Christus , ängstlich
abwartend und lieblich. Oben trohnt ein mächtiger Mann mit
Hufen und behaartem Bein. Unter ihm windet sich eine Schlange über
Stufen hinunter zum Erdboden.
Diese Gravur hat mich sehr beeindruckt. Für mich hat es ausgedrückt
wie wild und animalisch und mächtig wir uns ausdrücken
konnten. Die Kraft die in uns inne wohnt und durch heidnische Riten
zum Ausdruck gebracht wurde. Das Christentum hat dies alles verhüllt,
in eine liebliche Form gesperrt in der alles andere - natürliche-
erstickt ist und unterdrückt wird. Der Gehörnte wurde
zum Symbol des Bösen und des Widersachers und doch ist er Teil
von uns. So stark habe ich hier gespürt wie sehr das Christentum
vieles überdeckt hat. Wenn man die wunderschönen Priesterinnen
auf dem Gemälde sieht die zur "Hochzeit von Psyche"
spazieren, begleitet von einem Priester mit einem Ankh-Amulett.
Am Nebengemälde prangt ein wunderschöner GreenMan und
es wird einem bewusst ,dies ist ein Dämon, also etwas Böses.
Ja von Dämonen und Teufeln wimmelt es in diesem Part des Museums-und
es ist nicht der einzige, doch ich betrachte es mit anderen Augen
und spüre was es ist- was es für mich ist.
Und das spannende ist, diese Art der "Verteufelung" und
des "Verhüllens" von heidnischen Symbolen findet
man genauso hundert Jahre zuvor. Genauso die offene Auseinandersätzung
mit dem Tod als fixer nicht grausamer Bestandteil des Lebens. So
wie das Bild von Wiertz 1847, auf dem eine nackte Frau in das Antlitz
eines Gerippes blickt, findet man eine fast idente Szenerie in einem
von Delvaux`s Bildern knapp 100 Jahre später.
Nachdem
ich meinen Mitbewunderern einige Erklärungen gegeben hatte
warum ich mir manche Bilder besonders lange ansehe oder wonach ich
immer suche und sie in kurzen Worten eingewiesen habe in die heidnischen
Symboliken finde ich plötzlich eine Erklärung für
meine Gefühle in diesen Räumen. Ja die Bilder haben mich
fasziniert, in ihren Bann gezogen , hatten eine Magie inne die ich
kaum wiedergeben konnte. Und dies, wie ich jetzt weiss, zu recht.
Delville und wohl auch Delvaux hatten eine Gemeinschaft von belgischen
Künstlern gegründet die sich mit magischen Dingen und
spirituellen Mächten auseinandersetzten und auch enge Kontakte
zu den aufkommenden Rosenkreuzern pflegten. Zurecht kamen mir also
diese Gedanken, zurecht spürte ich diese Anziehungskraft die
Monet`s oder Gauguin`s zu "Nichts" werden liessen. Ich
spürte was sie malten. Und ich weiss ich werde mich auf die
Suche begeben nach anderen Bildern von ihnen und ihre Biographien.
Obwohl ich mit Kunst aufgewachsen bin und viele Maler kenne, diese
zwei Belgier kannte ich noch nicht! Und ich kann jedem nur Nahe
legen wenn ihr über diese zwei Namen stolpert schaut euch ihre
Bilder genau an! Wenn möglich in Original da ich bemerke wie
stark der Unterschied ist und das von einigen Bildern die Magie
die dem Bild inne wohnt nicht zu bemerken ist als Kopie auf einer
Ansichtskarte oder einem Foto.
Im Bereich des 20. Jahrhunderts suchte ich sofort das einzige
Dali-Gemälde
das in Brüssel im Museum zu finden ist. Und ich liebe es,
ich liebe die Bilder Dalis, seine Art fantastische Welten in
feinen
und genauen Strichen zu kreieren. Ohne Raum und Zeit, Elefanten
auf dünnen Beinen die einem entgegenstiefeln, die Wüste...einfach
unverwechselbar Dali.
Auch von Magritte begeistert mich einiges, aber vor allem die Regenbogenfrau
die auf Bildern in Büchern kaum zur Geltung kommt. Hier im
Original leuchten und faszinieren die Farben und die Art der Strichführung,
die der liegenden Frau Leben einhaucht. Picasso hingegen konnte
mich auch hier nicht faszinieren - sorry - an alle Picassofans.
Natürlich findet man auch Kunst die man kaum als solche beschreiben
könnte. Wie zB. ein Bild aus Eierschalen die teilweise runterbröckeln
oder eine weisse Leinwand mit 2 Strichen darauf. Unglaublich so
was als Kunst neben einem Dali zu zeigen. Aber auch einige nette
Hypnotisierende optische Bilder die sich bewegen sind zu sehen.
Eines davon , ein schwarzer Kreis mit flimmernden Schatten animierte
mich richtig zur Selbsthypnose , mit der Bank daneben stand dem
nichts im Wege und ich versankt für ca. 20 Minuten ohne die
Leute um mich herum zu bemerken.
Weiter geht's bunt gemischt rauf zu Rubens und seiner Epoche. Die
wunderschön gemeiselten Skulpturen der Göttinnen Venus
und Diana führen uns vorbei an einer Szenerie mit Nymphen und
einem Wassermann mit Dreizack hinauf zur Kunst aus dem 17. und 18.Jhd.
Die Gemälde sind alt sehr alt und dunkel. Auch die Malerei
ist dunkel und oftmals trübselig. Trotzdem ein Einblick in
die Kunst Menschen zu malen. Und auch hier findet man neben Priestern
und bäuerlichen Modellen, immer wieder typisch heidnische Abbilder
von Pan. Zumindest für mein empfinden. Und es ist wunderschön
die Frauen zu sehen. Mit heller Haut und Bäuchen die dick sind,
Falten haben, Rundungen aufweisen und trotzdem anmutig und bezaubernd
wirken. Lustvolle Frauen, sanft und stark zugleich.
Wenn ich eines hier gesehen habe, dann ist es die Wandlung. Die
Wandlung vom Bild der Frauen und das Verdecken von heidnischen Symbolen.
Diese vielen Bilder mit oft gleicher Thematik die sich wandelte.
Das Verhüllen und maskieren um der Zeit zu entsprechen.
Und wie passend diese Thematik gerade erscheint, sich zu verwandeln,
sich verwandeln zu lassen. Sich Masken aufzusetzen, diese Masken
als Ich anzuerkennen. Masken hinter die man schauen sollte um zu
erkennen. Masken die uns Menschen oft schützen, oft in anderem
Licht erscheinen lassen und doch wir selbst sind.
Das Thema der Wandlung und der Masken begleitete mich noch sehr
stark die Wochen meiner Tour in Belgien. Und vielleicht solltet
auch ihr einen Museumsbesuch wagen um für euch neue Künstler
zu entdecken und euch mit dem Thema der Masken und Wandlung auseinander
zusetzen.
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